Gegen Mitternacht erreicht das Schiff Iquitos. 23 Stunden später wird es wieder mit neuen Gästen ablegen und den Amazonas flußabwärts fahren.
Kurz nach 7 Uhr morgens staune ich wieder einmal über den riesigen Fluß. Er scheint einfach nicht schmaler zu werden.
Jetzt ist es schon 9 Uhr und wir hoffen, dass wir bald das Tenderboot nehmen können. Im Hintergrund erahnt man den Hafen von Iquitos.
Kleine regionale Dampfer bringen Einheimische an entfernte Ufer. Mit einem Auto kann man hier nicht viel anfangen.
Ich sitze mit dem gesamten Gepäck in der Lounge und warte auf unseren Aufruf für das Tenderboot, während Rita sich an Deck noch einen Abschiedssekt mit Ausblick auf den Amazonas gönnt.
Endlich kommt die Durchsage, dass individuelle Gäste mit dem Einsteigen an der Reihe sind.
Als der lahme Fahrstuhl uns endlich mitnimmt und unten rauslässt, ist das Tenderboot weg.
10 Leute hat man stehen lassen. Wir alle seinen 1 Minute zu spät gekommen! Und in 90 Minuten ginge ja das nächste Boot, versucht man uns zu vertrösten.
Das mag für die Leute ok sein, die in Iquitos bleiben, aber nicht für Leute, die zum Flieger müssen.
Nach viel Lamentieren, aber vor allem Schuldzuweisungen an uns, weil wir ja hätten früher fahren können, wird uns dann ein Boot bereits in 40 Minuten versprochen. Dazu muss man sagen, dass es unterwegs mehrfach Theater gab, wenn sich Leute nicht an die vorgegebene Einteilung gehalten haben.
Das Boot kommt tatsächlich.
Nach einer halben Stunde Fahrt legen wir endlich in Iquitos an. Unser Gepäck wird zum Glück die steilen Holztreppen zur Straße hochgewuchtet, wir müssen nur uns selbst bewegen.
Am Tenderboot ist reger Betrieb. Es kommen ständig neue Gäste an.
Keine einzige Taxe steht am Ausgang, sie müssen immer vorbestellt werden heißt es auf einmal. Mehrfaches Nachfragen an der Rezeption endete immer mit der gleichen Aussage: "Da stehen Taxen, machen sie sich keine Sorgen!"
Zum Glück können wir ein Tuk Tuk chartern für 5$.
Das Gepäck wird hinten auf eine kleine Ladefläche gelegt. Während der rasenden Fahrt muss ich es aber vorsichtshalber festhalten, da es sich gefährlich verschiebt. Der Rest wird zwischen unseren Beinen eingekeilt.
Eine knappe halbe Stunde schwimmen wir im Strom der Motorräder und Motorradtaxen. Eine Gasmaske wäre nicht schlecht gewesen.
Hätten sie uns keine Extra- Tenderfahrt gegeben, dann wäre unser Flieger weg gewesen.
12.50 soll der Abflug sein. Auf meinem Ticket steht 13.05. Info von LATAM: Fehlanzeige.
Das Boarding ist um 12.40 beendet. Die Maschine scheint startklar zu sein. Bis 13.05 passiert nichts. Im Flieger nur Kindergeschrei, Schweißausbrüche und Palaver.
Dann müssen alle wieder raus.
Irgendeine Reparatur ist fällig. Testweise blasen sie mit einer Maschine schwarze Rauchwolken in die Gegend. Danach dürfen wir wieder einsteigen.
Viel zu schnell landen wir in den Wolken, die nur ab und zu noch Blicke auf den Urwald zulassen.
Rita widersteht den Bekehrungsversuchen und verbaselt gleich danach seine E-Mail Adresse, sodass er das gewünschte Amazonasfoto leider nicht bekommen kann.
Aber die hätte ich auch verbaselt, sie war auf dünnem Papier, selbst gedruckt und maximal 2x2 cm groß.
Um 17.00 wird der Flughafen in Lima heute geschlossen. Das wußte der nette Herr zu vermelden.
Der Papst kommt zu Besuch. Wir waren ahnungslos. Bis dahin sollten wir also unbedingt gelandet sein.Kleine und große Urwaldflüsse lassen sich ab und zu in den Wolkenlücken blicken, auch große gerodete Urwaldflächen mit nahen Siedlungen.
Eine rote Schlange liegt wie eine Schnittwunde im Grün. Das ist eine der Straßen, die der schnelleren Vernichtung des Waldes dient. Sie wird so rasch von den Wolken verschluckt, dass ich sie nicht fotografieren kann.
Die Koffer sind bald da, ein Ticket für das Taxi schnell gekauft. Es soll gleich kommen.
Aber der Papst auch. Wir sollen warten.
Nichts kommt. Auch Tickets werden nicht mehr verkauft. Es kann sich nur noch um Stunden handeln.
Dann plötzlich, doch ein Taxi. Allerdings fährt noch eine andere Frau mit, der zuerst abgesetzt werden soll.
Nur weil der Fahrer darauf hinweist, dass er Touristen fährt, lässt ihn die Polizei durch. Einmal jedenfalls.
Während sich die einen danach drängen, den Papst zu sehen, reparieren die anderen unberührt von dem Trubel ihre Autos gleich vor der Haustüre.
Giftige Luft füllt mittlerweile das Auto. Wir stehen ständig im Stau, fahren immer wieder im Kreis und kommen nicht vom Fleck. Wir haben nichts mehr zu trinken oder zu essen. Unser Frühstück war um halb 8. Jetzt ist es bald 17 Uhr.
Aussteigen und an der Bude etwas kaufen, geht nicht. Zu gefährlich sagt der Fahrer.
Ganz Lima scheint auf den Beinen zu sein. Die einen Straßen sind vollgestopft mit Autos, die anderen mit Menschen, die auf den Papst warten. Fußgänger kommen gut vorwärts. Mitten in der Warteschlange für den Papst baut ein Zeuge Jehovas seinen Zeitschriftenwagen auf und hofft vielleicht, ihn zu bekehren.
Nach 2 Stunden sind wir immer noch in Flughafennähe, als die Extra- Frau in unserem Auto endlich abgesetzt werden kann. Ihr Flug war kurzfristig auf morgen früh verschoben worden.
Nun brauchen wir nur noch 1 weitere Stunde, bis wir im Stadtteil Miraflores ankommen. Es ist mittlerweile stockdunkel.
Der Fahrer, der wegen der Krise in Venezuela nach Peru gekommen war, bemüht sich sehr. Aber unsere Unterkunft kann er trotzdem nicht finden. Google Maps sagt: "sie sind angekommen!"
Aber irgendetwas ist mit der angegebenen Hausnummer nicht korrekt. Anruf bei Casa Suyay. Kein Problem. Es kommt jemand zum Parkplatz. Aber nichts da. Keiner kommt. Es gibt mehrere Plätze hier in der Gegend, und wir werden am falschen gesucht.
Irgendein Passant kann dann endlich weiterhelfen, und der Taxifahrer schleppt sogar noch unser Gepäck durch die Gegend.
Völlig erschöpft packen wir abends um halb 8 unsere Sachen ins Zimmer, um gleich noch etwas essen zu gehen.
La Luccha, einen Peruanischer Burger haben wir uns empfehlen lassen.
Der besteht aus einem knusprigen großen Brötchen, belegt mit Avocado, Käse, Zwiebeln und einer dünnen Scheibe Rindfleisch. Sehr lecker!
Auf einem kleinen Platz wird an mindestens 7 Tischen intensiv und äußerst konzentriert Schach nach Zeit gespielt.
Wir drehen noch eine Runde um die Plaza Kennedy. Dort tobt am Abend das Leben.
Wir sind jetzt sehr müde.






























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