Wir sind nun auf Trinidad angekommen, der großen Schwester von Tobago und der Heimat des Calypso.
Trinidad ist die südlichste Insel der kleinen Antillen, nur noch 10km vor Venezuelas Küste und bildet ja mit Tobago den karibischen Inselstaat Trinidad und Tobago. Trinidad ist riesengroß gegenüber dem kleinen Tobago und hat ebenso eine ereignisreiche Vergangenheit.
Kolumbus sah 1498 auf seiner 3. Reise 3 Berggipfel, und schon fiel ihm wieder ein Name ein, die Dreieinigkeit.
Auch Trinidad soll sich vom südamerikanischen abgespalten haben und schon vor mindestens 7000 Jahren besiedelt gewesen sein, wäre somit eine der am frühesten besiedelten Inseln der Karibik.
Mitte des 16. Jhdts widerstand ein Indianerdorf, Cumucurapo, etwa 30 Jahre lang den immerwährenden Angriffen der Spanier. Aber ab 1552 herrschten sie dann 250 Jahre lang, bis die Briten 1802 Trinidad und 1814 auch Tobago einkassierten.
Ende des 18. Jhdts galten die Arawak, die sich hier schon früh angesiedelt hatten als ausgerottet.
Ab 1776 lockte Spanien römisch-katholische französische Pflanzer von anderen Inseln an, gab Trinidad frei für Einwanderung und versprach finanzielle Vorteile. In den englischen Kolonien wurden die katholischen Franzosen nach dem Siebenjährigen Krieg (1756- 63) diskriminiert, daher kamen sie in Strömen.
Im Siebenjährigen Krieg kämpften Spanien, England, Frankreich, Portugal, Amerika, Indonesien gegeneinander. Es war also ein richtiger Weltkrieg im 18. Jahrhundert, bei dem es um Festlegung der machtpolitischen Verhältnisse in Europa und auch den Kolonien in Amerika und Asien ging.
Er endete mit dem Frieden von Paris, bei dem sich England im Bereich der Kolonien zum dominierenden Herrscher erheben konnte.
Ich werde ganz verwirrt beim Versuch, mir zu merken, wer hier gegen wen und mit wem und warum kämpfte. Ludwig XV, Zarin Elisabeth, Maria Theresia, König Friedrich II. Alle mischten sie tüchtig mit.
So ungefähr jeder gegen jeden, manchmal dann zwei gegen drei oder einen, mit wechselnden Koalitionen. Die Ureinwohner zB in den Kolonien, wurden selbstverständlich nicht befragt. Es wurde über deren Heimat und die dort lebenden Menschen verhandelt wie über den Kauf eine Wiese oder den Verkauf einer Kuh.
1520- 1898 herrschte in der Karibik fast immer irgendwo Krieg. Jeder wollte die Vorherrschaft in der Welt übernehmen. Wenn gerade kein Krieg war, verbreiteten Piraten Angst und Schrecken.
Ab 1834 musste auch noch das Ende der Sklaverei in den brit. Kronkolonien verdaut werden. Kontraktarbeiter aus British Indien -kein großer Unterschied zu den Sklaven- wurden von den Engländern herangeschafft und mussten unter erbärmlichen Bedingungen schuften.
1962 erlangte die Trinidad seine Unabhängigkeit.
Morgens um 9 mache ich mit Marlis auf einen Marsch durch das schlafende Port of Spain. Die Hitze ist gerade noch erträglich. Das pralle Leben von Trinidad verbirgt sich allerdings in weihnachtlichem Tiefschlaf.
Auf dem Weg sehen wir wenige alte Holzhäuser, viele verschlossene kleine Lokale, die eher am Abend offen sind. Häagen- Dazs, KFC und MacDo haben natürlich geöffnet, sind aber menschenleer.
Viele Häuser haben ein paar Hunde als Wachpersonal eingestellt. Diese bellen sich die Seele aus dem Leib, weil sie uns Spaziergänger wohl nicht mögen.
Wie trist wäre die Welt wohl ohne MacDonalds?
Der große Friedhof wirkt teilweise etwas heruntergekommen. Zwar hat hier jeder Beerdigte eine feste Adresse mit Straße und Hausnummer, aber für Ordnung auf seinem letzten Domizil kann er leider nicht mehr sorgen.
In einer Methodistenkirche werden wir warmherzig begrüßt und mit vielen guten Wünschen versorgt. Es erklingt Weihnachtsmusik, und von der Orgel herab singt eine Frau mit wunderbarer Stimme. Es kommt eine wehmütige Stimmung auf.
Kurz bevor wir endlich Queen`s Park Savannah ankommen, begegnen uns diese beiden netten Herren. Damit hätten wir auf Trinidad nicht unbedingt gerechnet.
Die 7 älteren sehenswerten Gebäude, „the Magnificent Seven“, die alle in den ersten Jahren des 20. Jhdts entstanden sind, reihen sich aneinander gegenüber dem großen Queen’s Park Savannah. Die reichsten Familien lebten damals hier und zeigten ihren Wohlstand auch mit der Pracht der Häuser an. Auf der schattigen Seite der Strasse könnte man sich mit einer Kokosnuß versorgen. Aber 3$ ist ein eindeutig übertriebener Preis. Entsprechend gering ist auch der Umsatz bei den völlig unmotivierten Verkäufern.
Alle Gebäude sind aufwendig gestaltet und es wurde keine Mühe gescheut, auch aus dem fernen Europa Baumaterialien heranzuschaffen. 1904 eröffneten und im Stil der Renaissance erbauten Queen`s Royal College ist heute die renommierteste Schule Trinidads untergebracht.
"Stollmeyer`s Castle", auch "Lillarney" genannt, ist das älteste Gebäude der Magnificent Seven. Es gehörte dem deutschstämmigen Stollmeyer, der sich auf Trinidad als Pionier der Asphaltindustrie einen Namen gemacht hat. Dieser schenkte es seinem Sohn zur Hochzeit. Vom Stil her soll es an die Sommerresidenz der britischen Königin erinnern. Heute ist es in der Hand des Staates.
"Archbishop`s Palace", aus rotem Granit und irischem Marmor in neuromanischem Stil erbaut, war wohl immer in der Hand der katholischen Kirche.
"Whitehall" wurde von einem korsischen Kakaoplantagenbesitzer erbaut. Nach seinem Tod erlebte es eine wechselvolle Geschichte.
Das ist Ambard`s House, im französischen Barockstil der Kolonialzeit erbaut. Bis zu seiner Pleite gehörte es dem Kakaoplantagenbesitzer Ambard und hat seitdem mehrfach den Besitzer gewechselt.
Wir ruhen uns ein wenig auf einer Bank aus und durchqueren dann die riesige Rasenfläche des Parks, um nicht noch einmal in einer großen Kurve darum herum zu laufen.
Die kleinen bunten Häuschen sind Buden, die bei den Festivals geöffnet sind, wie bei uns die Buden auf dem Weihnachtsmarkt. Auf dem Weg begegnen uns weitere Kirchen und repräsentative Häuser.
Die große Veranstaltungshalle (genaue Bezeichnung habe ich vergessen) soll dem Wahrzeichen von Sydney ähneln. Wer möchte, kann es ja so interpretieren.
Es ist ein Glanzobjekt aus viel Stahl und wenig Glas, wirkt auf mich an dieser Stelle überdimensioniert, macht sich in der Sonne aber nicht schlecht.
Das Parlamentsgebäude von1907, ein klassischer Renaissancepalast genannt Red House, ist eingerüstet.
Zwischen modernen glänzenden Hochhäusern finden sich immer wieder Relikte aus der alten Zeit.
Junge Männer versuchen an roten Ampeln mit ihren akrobatischen Vorführungen ein bisschen Geld zu verdienen. Ein schwieriges Geschäft.
Ziemlich erschöpft erreichen wir um 12 wieder das Hafengebiet. Geradeaus kommen wir nicht weiter, also stiefeln wir durch das Hyatt, falls ich mich richtig erinnere und kriegen ein bisschen Weihnachtsstimmung mit auf den Weg. Die Lobby ist üppig geschmückt.
Mein Ausflug am Nachmittag soll mich über die bergige Nordküstenstrasse zur Maracas Bucht bringen. "Das karibischen Meer auf der einen Seite, Regenwald auf der anderen Seite der Straße, dazwischen verschlafene Dörfer und Kakaoplantagen, der Ursprungsort einiger der weltbesten Schokoladen...der schönste und beliebteste Strand Trinidads...Am Strand Fischerboote und Rastamänner... "So steht es in der Ausflugsbeschreibung.
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Zum ersten Mal beschwere ich mich hinterher über einen Ausflug. Wenn man ihn kurz und knapp beschreiben will, hätte er heißen müssen: „stark überteuerter Transfer zum einem Badestrand, an dem gerade Bauarbeiten erledigt werden und an dem man wegen gefährlicher Strudel nicht baden sollte“.
Auf meine Frage nach den Plantagen und den verschlafenen Dörfern heißt es: die seien ja hinter den Bäumen im Urwald verborgen. Deshalb sieht man sie nicht, aber vorbeigefahren seien wir ja, insofern sei die Beschreibung korrekt !!!
Und so war`s: Abfahrt. Raus aus der Stadt, vorbei an den 7 markantesten alten Gebäuden, die wir morgens in Ruhe angesehen haben. Weiter durch die Außenbezirke. Hier gibt es sogar ein drive-thru-Apotheke!
Es folgen enge kurvenreiche Straßen durch Regenwald den Berg bis auf ca. 300 m und wieder runter. Immer wieder bieten sich tolle Aussichten auf die Landschaft.
Gefährliche Situationen entstehen mehrfach durch riskante Fahrweisen anderer Fahrer. Dazwischen 1 kurzer Stopp an einem Aussichtspunkt. Nach einer Seite guter Blick, andere Richtungen sind fast zugewachsen. Es fängt an leicht zu regnen.
2 Stunden Zeit haben wir am Strand, der Parkplatz auf der Strandrückseite sieht aus wie eine Baustelle, zum Glück wasserseitig nicht.
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Baden sollen wir nicht am angeblich schönsten Strand der Insel, rote Fahnen sind aufgestellt, Strudel könnten einen ins Meer ziehen.
Als Begrenzung für das Fußballspiel sind die Fahnen sehr praktisch.
Die Einheimischen wissen offenbar, wo es weniger gefährlich ist und schicken sogar ihre Kinder ins Wasser.
Ein einziger Mann spielt ab und zu auf seinem Instrument.
Die Einheimischen genießen ihr Zusammensein, die meisten sind allerdings wohl wegen Weihnachten zu Hause geblieben.
Langsam ziehen dunkle Wolken auf.
Aber schön ist es doch, wenn man nämlich nahe am Wasser auf einer Liege 90 Minuten zubringen oder Strandspaziergänge machen kann. Der Strand ist ziemlich kurz, sodass man es locker hin und her schafft. Da ich mit Marlis zusammen bin, können wir gegenseitig unser Gepäck bewachen, was sehr bequem ist.
Dann fängt es an zu regnen. Dafür kann natürlich keiner was, aber unsere Zeit ist sowieso um.
Der Rückweg ist identisch, bis auf das Benutzen etwas anderer Wege in der Stadt. Von Plantagen und verwunschenen Dörfern ist weiterhin nichts zu sehen
Einige Gebäude werden benannt, aber letztendlich war die andere Route wegen der Einbahnstraßen erforderlich und kein Schmankerl.
Die örtliche Reiseleitung spricht englisch. Da im Bus einige kein Wort englisch verstehen, wird durch die junge, völlig unerfahrene Plantours- Reiseleiterin übersetzt, was die andere ihr ohne Mikrofonbenutzung mitteilt. Englisch bekommen wir also gar nicht erst zu hören. Was soll das denn?
Die junge Frau, deren Berufsziel Reiseleiterin ist, hatte sich aber offenbar nicht über Geschichte, Land und Leute informiert, sodass man sich teilweise den größten Blödsinn anhören musste, falls man des Englischen mächtig ist, untermalt von den ständig untereinander quasselnden Gästen und der Privatunterhaltung zwischen Fahrer und örtlicher Reiseleiterin.
Ich denke, dass die junge Frau es nicht leicht hatte. Es war ihre erste Tour allein. Aber sie wird auch noch sehr viel lernen müssen!
Auf dem Schiff muss ich mich dann sputen, denn es bleibt nur 1 Stunde bis zum Weihnachtsessen.
In der Lobby blinkt jetzt sogar ein Weihnachtsbaum, und eine Krippe mit Knäckebrotdach erträgt ihr Los tapfer neben dem Kopf des brillentragenden Weihnachtsmannes aus Melone.
Das Essen ist lecker, aber keine Besonderheit anläßlich des Weihnachtsfestes, so wie ich es zB auf den Phoenix- Schiffen kenne. Das traditionelle Rotkraut mit Gans und Klößen überrascht mit einer Aprikosenfüllung. Also : Aprikosenknödel gab es zur Gans!
Mit der Bezeichnung von dem, was auf dem Tisch landet, stehe ich hier gelegentlich auf Kriegsfuß. So ist hier zB ein Cocktail, der am ersten Abend aus Flüssigem und einer einzigen Pflaume bestand, jetzt in Obstsalat mit einem winzigen Tröpfchen Alkohol umbenannt worden.
Den Kellnern wurden rote Zipfelmützen verpasst, dem Oberkellner eine schwarze, und der Chef trägt rote Mütze mit langem weißen Bart.
Auf der Kabine steht ein Überraschungs-Teller mit Keksen und einem Schokoladennikolaus.
Das war Weihnachten 2017 auf der Hamburg.
Gegen 21 Uhr verlassen wir Trinidad und steuern Guyana an. Die Karibischen Inseln lassen wir hinter uns zurück.
Hier werden die Größenverhältnisse sichtbar.
Im Gegensatz zu Tobago ist Trinidad riesig.























































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