Samstag, 23. Dezember 2017

Tobago - dröhnende Ohren




23.12.17

Trinidad und Tobago bilden zusammen einen Staat, dessen Hauptstadt Scarborough auf Tobago liegt, besuchen wir heute.
"Höhepunkte der Insel" heißt mein gebuchter Ausflug.
Wie die allermeisten anderen Inseln, hat auch Tobago eine wechselvolle Geschichte.
Arawak- Indianer wanderten vom südamerikanischen Festland ein, wurden später von kriegerischen Kariben überrannt und ausgerottet. Denen erging es aber auch nicht besser, sie wurden von den Europäern erledigt oder versklavt. 
Engländer, Franzosen , Kurländer und Holländer stritten sich um die Insel und gaben ihr auch die unterschiedlichsten Namen. 
Beispiele: Kolumbus (Bella Forma), Briten (Tobago), Franzosen (Tobago), Kurländer (Neukurland), Niederländer (New Walcheren), alle stritten sich um Tobago (:von Tabak) . Ob die zwischendurch beherrschenden Piraten auch einen eigenen Namen für die Insel hatten, ist mir nicht bekannt.
Die Insel hält den Rekord in der Geschichte der Karibik. Mindestens 33 Besitzerwechsel hat sie hinter sich!
Die aus Afrika herbeigeschleppten Sklaven waren zwar in der Überzahl, konnten aber absolut nichts ausrichten. Wagte einmal jemand von ihnen den Aufstand, so war meistens nicht nur ihm alleine der Galgen sicher.
Auf Trinidad und Tobago blieb das Britische Weltreich der Sieger. 1814 hatten sie es endgültig erobert.Das Land gehört bis heute zum Commonwealth.
Ende des 18.Jh war der Zuckeranbau nicht mehr rentabel, und um Kosten zu sparen, legten die Briten Trinidad und Tobago zu einem Staatsgebilde zusammen, das seit 1962 unabhängig ist..
Die Insel ist nicht vulkanischen Ursprungs, sondern das Land hat sich vom Südamerikanischen Kontinent abgetrennt. Die Insel soll noch zu 2/3 von Regenwald bedeckt sein, mit beindruckender Artenvielfalt zB. an Vögeln. Bereits 1776 wurde ein großes Naturschutzgebiet errichtet, das zum Erhalt der Natur beigetragen hat.

Übrigens ist dies die Insel des Robinson Crusoe. Daniel Defoe lässt hier 1659 den armen Kerl stranden.


Das Fort King George thront über der Hauptstadt Scarborough, und man blickt von oben auf die Stadt und den atlantischen Teil der Insel herab. Wir staksen durch den quietschenassen Rasen, gerade hat es schon wieder gegossen. Zum Glück geht das schnell vorbei, sonst hätte man ja keine bunten Bilder mehr schießen können.




Plymouth liegt an der karibischen Seite der Insel. Auch hier gibt es ein mächtiges Fort, das Fort James. Küstenblick ist jetzt angesagt. Vom Fort ist nicht mehr viel übrig, aber offenbar gab es Zaunrollen im Überfluss. Nur mit Hilfe artistischer Verrenkungen kann man die Pelikane auf den kleinen Fischerbooten beobachten. Beim Betrachten der Bilder braucht man aber sicher eine Lupe.







Der Fotostop an der Stone Haven Bay fällt buchstäblich ins Wasser. Beim Aussteigen aus dem Bus fängt es an zu gießen. Der blaue Himmel auf den Fotos täuscht. Die heimtückischen Regenwolken geben sich nicht immer zu erkennen.



An der Strand Store Bay könnte man ein Boot besteigen, die Füße ins Wasser halten, in China gefertigte Souvenirs kaufen oder für 45$ einen wirklich hübschen kleinen Vogel, geschnitzt aus Büffelhorn. Er war seinen Preis sicher wert. Der Herr, der das Büffelhorn verarbeitet, hat mir Fotos aus seiner Werkstatt gezeigt. Aber ich mag keine Staubfänger mehr mitnehmen.





An der Atlantikküste entlang geht es zurück zum Hafen, wie erwartet einmal wieder in der Endlosautoschlange. Da ich nicht fahren muss, stört es mich wenig. So habe ich mehr Zeit, das zu länger eobachten, was ich beim Vorüberfahren sehe. Und zu Sehen gibt es mehr als genug.












Die meisten Läden sind klein und vollgestopft.

ein alter Container hat hier noch lange nicht ausgedient
kleine, kioskähnliche Läden sind in der Regel vollvergittert
die einzige Moschee, die ich auf meiner Reise
entdeckt habe

Zum ersten Mal auf dieser Reise wird das Gepäck im Hafengebäude beim Gang zum Schiff gescannt. Bislang hätte man ganze Kanonenrohre mit an Bord bringen können, ohne dass 
sich jemand dran gestört hätte.



Tobago habe die schönsten Strände der Karibik, das erzählt unser deutscher Reiseleiter, der seit 17 Jahren immer für ein halbes Jahr hier verbringt. Der Tourismus allerdings sei tot. Es fänden keine Investitionen statt. Tobago lebe sozusagen am Tropf von Trinidad, das angeblich in Kürze das letzte Erdöl aus seinem Boden saugt und dann auch vor leeren Kassen zu stehen drohe.
Stress kenne man hier nicht, Arbeit liebe man nicht, dafür aber Musik, Feiern, Kiffen.
Ausnahmen gebe es natürlich auch, meinte der Reiseleiter.
Der Tourismus mache zwar ca 75% der Einnahmen von Tobago aus, aber viel kann es ja nicht sein, wenn der Tourismus am Boden liegt.

Fazit: nette kleine Insel, viel Natur, Strände. Schnorcheln soll man gut können hier. Leider reicht meine Zeit nicht aus, die Unterwasserwelt und den Wald kennen zu lernen. 
Scarborough selbst ist ja die Hauptstadt von Tobago, ein bisschen davon möchte ich noch sehen. Ich habe nicht allzuviel Zeit, aber es reicht für einen Gang zum Scarborough Markt.

Wer noch nicht schwerhörig ist, wird es hier garantiert. Es tönt aus Kneipen, Lautsprechern auf dem Bürgersteig, aus jedem Geschäft, einfach Totalbeschallung mit Musik.  


Diese Fast-Food-Ketten- Wirtschaft lässt sich offenbar nirgendwo verhindern. Vielleicht ist das Huhn, das mit der Dame -unten auf dem Bild- die Hauptstrasse entlang spaziert, KFC gerade glücklich entkommen?



Von dem Markt sollte sich das Huhn lieber fernhalten. Es gibt auch eine Ecke, in der Fleisch verkauft wird!





Die Obst- und Gemüseauswahl ist groß. Nicht alle kenne ich.




Besen und Plastikkörbe und Putzeimer sind offenbar begehrte Güter.




An der Bauwand hängen wunderschöne Fotos von der Insel. Es muss wohl wirklich tolle Ecken geben.



Auf dem Hin- und Rückweg mache ich Halt an einer Kneipe gegenüber dem Hafen. Dort wird tolle Musik gemacht, bekifft und wahrscheinlich auch betrunken getanzt, rhythmisch oder mit eingefrorenen Bewegungen zwischen vielen Bierflaschen und mit verklärten Blicken. Es ist unendlich laut und faszinierend, solange ich im Eingang stehend meinen Abstand wahren kann.
Ich habe versucht, ein Video einzufügen. Leider kann man es nicht abspielen.





Ich setze mich auf gegenüber der Kneipe auf einen Poller. Dort ist es schattig. DIe Musik dröhnt über die Strasse und den Autoverkehr blende ich aus. 
Neben mir scharrt ein Hahn im Dreck, ein junger Mann träumt vor sich hin.


Ich gehe wieder an Bord. Um 18.00 geht es weiter. Nach Trinidad. Die Insel ist erheblich größer und soll völlig anders sein. Laut, umtriebig, busy.
Mal sehen, was mir da  begegnet.

Und wenn mir der Sonnenuntergang heute nicht spektakulär genug ist, dann bastele ich mir eben einen.










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