Donnerstag, 4. Januar 2018

Rita fährt Schiff

4.1.18


Gegen halb 3 in der Nacht kommt Rita endlich in die Kabine geschlichen.
Zunächst mußte sie von BA nach Montevideo reisen. Ihr Flug  nach Sao Paulo ging dann am nächsten Tag morgens um 5. Dort aber herrschte Chaos, und sie wußte bis zum Abend nicht, ob und wann sie weiterkommt nach Belem. Irgendwann hatte sie Glück und bekam einen FLieger, der aber erst nachts um 2 ankam.
Was nun? In Belem ein Hotel organisieren mitten in der Nacht? Um 12 Uhr spätestens mußte sie heute an Bord sein. Und aufs Schiff zu kommen mitten in der Nacht erschien eher problematisch zu werden.
Der Zugang zum Schiff über abgesperrtes Gelände war am Tag unangekündigt verlegt worden, und man konnte nicht wissen, was nachts wieder passiert. Vor dem hohen Eisentor lagern im Dunkel Obdachlose und andere verlorene Gestalten auf der Wiese und den Bänken. Der Mann im Wachhäuschen hätte einnicken können während seiner langen Schicht.
Ich habe ihn um 22.00 noch einmal bearbeitet. Mit Worten ging das nicht, er sprach kein Englisch, ich weiterhin kein portugiesisch, aber Hände und Füße taten es auch. 
Ein netter, hilfsbereiter Taxifahrer hat sie dann aber zu Fuß zum Tor begleitet. Ein Auto mit Polizisten hielt ebenfalls Wache am Tor. Der Torwächter drinnen hat sie bis zur Gangway begleitet, da es ihm komisch vorkam, dass sie keine Bordkarte hatte. Der Kontrolleur am Schiffseingang wußte aber Bescheid und hat ihr sogar den Koffer die Treppe hochgeschleppt. Völlig erschöpft konnte sie dann endlich in ihr Bett fallen.

Ich stehe um kurz nach 6 auf, weil ich um 7 noch einmal zum Fischmarkt möchte.
Draußen ist heute viel los, die Straßen sind verstopft, die Luft stinkt. Immer wieder entdecke ich eine interessante
Hausfassade.



Viele Marktstände haben längst geöffnet. Es wird herumgekramt, sortiert, angeliefert, oder man gönnt sich ein kleines Frühstück. Stände die zubereitetes Essen und Getränke anbieten, haben von früh bis spät gut zu tun.







Ausserhalb der Fischhalle wird verschiedenes Kleingetier verkauft. Hasen, Meerschweinchen, kleine Enten und Hühner, alles ist dabei. Ein einsames Schaf muss eingesperrt in einem viel zu kleinen Käfig auf einen Käufer warten. 



Die unzähligen Stände mit Tinkturen, unbekanntem Gebräu, Rinden, Zweigen mit und ohne Blätter scheinen nonstop geöffnet zu sein, sind aber meist gar nicht besetzt. Die dazugehörigen Personen unterhalten sich miteinander, gähnen, spielen hochkonzentriert mit dem Smartphone herum oder holen ihren Nachtschlaf nach. Wie ein Tourist hier auf die Idee kommt, etwas zu kaufen, ist mir schleierhaft. Für mich sieht alles gleich aus, sogar die Etiketten auf den kleinen Flaschen. 






Ein einziger Stand fällt aus dem Rahmen. Er bietet Voodoo- Zubehör an.
Man kann kleine schwarz-rote Särge, schwarze und weiße Stoffpüppchen, Nägel, Nadeln und weiteres wichtiges Zubehör erstehen, ganz so, als wolle man eine größere Puppenstube ausstatten. 
Nach reiflicher Überlegung nehme ich dem skurrilen Verkäufer dann doch lieber nur Seifen ab, die alles Böse, das in ihre Nähe zu kommen droht, erfolgreich abwehrt. 


Müdigkeit scheint ein großes Problem zu sein. Die einfachen Arbeiter haben wahrscheinlich die halbe Nacht geschuftet und schlafen erst einmal eine Runde. Bin mir nicht sicher, dass alle ein richtiges Zuhause haben.



Am Hafen ist schon wieder Niedrigwasser, und die Reiher stolzieren zwischen den streitenden Geiern. Die Uhrzeit ist günstig für sie. Fischhändler werfen großzügig Fischabfälle in ihre Richtung, und auch die Müllcontainer sind gut gefüllt. 











Nahe beim Wasser steht eine Minihalle, in der bergeweise Trockenfisch auf Käufer wartet. Mein Interesse wird mit Interesse beäugt, und schon bin ich im Gespräch mit einem der Herren, der unbedingt mit mir ein Selfie machen möchte, trotz meines zugekniffenen Auges. Aber was macht das schon, wenn einer sich freut, dass er eine Deutsche kennengelernt hat. Die anderen schauen grinsend zu.






In der Fischhalle sind zwar mengenmäßig mehr Fische im Angebot als gestern, aber andere Arten kann ich so schnell nicht entdecken. 
Ich finde  es auch ziemlich schwierig, mich über die einzelnen Fische zu informieren, auf Wikipedia komme ich nicht viel weiter und portugiesisch kann ich nicht. Dabei gibt es sicher viel Interessantes zu lesen über diese Amazonasbewohner.





Nach kurzer Zeit mache ich mich auf den Rückweg zum Schiff und kaufe noch ein paar Früchte ein. Alleine beim Duft der Cherimoya muss ich vor lauter Wohlgeruch die Augen verdrehen. Ich trage eine Tüte voll mit verschiedenen Köstlichkeiten aufs Schiff und zahle keine 3€.
Leider gibt es an Bord keinerlei Köstlichkeiten des Landes, sondern Containerobst, das wahrscheinlich zusammen mit dem Zott- Joghurt aus Deutschland angeliefert wird. Weder Fisch, noch Obst und Gemüse dürften außerhalb eingekauft werden, heißt es.

Nachdem Rita ihr Abenteuer Anreise hoffentlich im Schlaf gut verarbeitet hat, wecke ich sie zum Frühstück, und danach laufen wir noch fix die sehenswerten und erreichbaren Strecken ab. 
Vor allem sollte man ja den Ver-o-Peso Markt und den Hafen besucht haben, wenn man in Belém war.
Vorher muß ich mich erst einmal umziehen, da ich schon wieder völlig durchgeschwitzt bin.
Einmal vorbei am Kleidermarkt, dann zu Obst, Gemüse, geheimnisvollen Fläschchen und zum Fischmarkt. Dort liegen noch eine ganze Menge Fische zum Verkauf herum.

 getrocknete, gesalzene Filets vom Pirarucu (Arapaima Gigas),
dem größten Fisch im Amazonas
diverse getrocknete Fische
Getreide und Mehle
ein Sammelsurium

Nun geht es wirklich zum letzten Mal zu den Fischen. Auch wenn`s schwerfällt...


ich glaube, das ist ein Antennenwels, aber sicher bin ich mir nicht
begehrtes Fleisch von Filhote...einem Wels?
aufs Maul geschaut

 ein Filhote gehört zu den Welsen (die Suche ist schwierig)
einmal Welse von oben...
Wels von der Seite
Fisch ordentlich nebeneinander

Fisch übereinander

Fisch leicht bunt

Fische von oben

Im Hafen ist jetzt Hochwasser. Die Geier lauern auf den Hausdächern auf ihre nächste Gelegenheit, und unser Schiff muss sich sputen. Nur bei Hochwasser kommen wir aus dem Hafen raus. Wir müssen nun zum Schiff zurück, die obligatorische Seenot- Rettungsübung steht uns noch bevor.
Wir verlassen danach Belém, das Tor zum Amazonas und fahren in Richtung der Breves Kanäle, die wir noch einmal durchqueren, bevor wir in den Amazonas einbiegen.




Wir sind froh, dass die Anreise geklappt hat und Rita nicht hinterher rudern muß.



Wir sind unterwegs, von Belem nach Iquitos, das sind rund 4000 km.



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