Französisch Guayana (=Guyana) ist ein französisches Überseedepartement, das als Paradies für Ökotouristen gilt. Es gehört zur EU, gehört der Nato an, und der Euro ist Zahlungsmittel.
Es liegt zwischen Surinam und Brasilien, ist fast so groß wie Österreich. 90% des Landes ist von tropischem Regenwald bedeckt.
Von 1498 an wechselten sich Spanier, Holländer, Portugiesen, Franzosen und Engländer mit ihren Herrschaftsansprüchen ab. 1801 wurde das Land dann endgültig an die Franzosen abgetreten.
Auf den Îles du Salut, den Inseln des Heils, oder auf dem Archipel der Verdammten -Benennung je nach Sichtweise- wurden ab 1852 rechtmäßig oder auch unrechtmäßig verurteilte Verbrecher in der dortigen Strafkolonie der Franzosen eingesperrt. 1951 wurden die letzten entlassen!
Ein weltberühmter, 1973 verfilmter, teils autobiografischer Roman („Papillon“) spielt auf dieser Inselgruppe. Es ist ein Gefangenendrama aus den 30/er Jahren, das die Deportationen aus Frankreich behandelt.
Auch das Drama des Alfred Dreyfus spielte sich zum Teil hier ab. Ingesamt sollen bis zu 70.000 Menschen hier inhaftiert gewesen sein. Es ging dort nicht viel anders zu als im Gulag.
Seit 1968 befindet sich im auf dem Festland ein Zentrum der europäischen Raumfahrtindustrie.
Vom Weltraumbahnhof Kourou, dem Raketen- Abschussgelände, starten die verschiedenen europäischen Ariane Trägerraketen der ESA (Europäische Weltraumorganisation).
Landeshauptstadt ist Cayenne. Von hier aus floh im 17. Jahrhundert eine Gruppe von Nonnen vor einer Gelbfieberepedemie auf die vorgelagerte Inselgruppe, blieb gesund, und schon wurden die Teufelsinseln zu „Inseln des Heils“.
Der Großteil der Bevölkerung lebt im Küstenbereich, auch hier wurden natürlich die verbliebenen indigenen Völker ins Hinterland verdrängt, wenn sie sich nicht schon notgedrungen dorthin geflüchtet hatten.
Mittlerweile ist das Land (noch) eines der wohlhabensten Südamerikas, wird gerne als Zuwanderungsland genutzt, beliebt ist es vor allem bei illegalen Goldschürfern.
Aber: 40% der unter 25- Jährigen sind arbeitslos. 30% der Menschen hätten keinen Zugang zu Wasser und Elektrizität, heißt es.
Im März 2017 waren keine Starts der Ariane 5 möglich. Streiks, Proteste der Bevölkerung gegen steigende Preise, Kriminalität und hohe Arbeitslosigkeit störten den Ablauf. Bislang gab es immerhin schon 200 Starts ohne Probleme. Für Airbus ist Unruhe hier schlecht, die Konkurrenz reibt sich die Hände. Nach 4 Wochen bahnte sich eine Einigung an.
Macron stattete Ende Oktober 2017 dem französischen Überseegebiet einen Besuch ab und löste in der Hauptstadt Cayenne gewalttätige Demonstrationen aus mit seinem Spruch bezüglich eines Nothilfeprogramms für das Land: "Ich bin nicht der Weihnachtsmann, und die Bewohner Guayanas sind keine Kinder."
Das Land kämpft mit großen wirtschaftlichen und sozialen Problemen. 80% der Menschen sollen Sozialhilfe vom französischen Staat beziehen! Kinderkriegen statt Schule oder Arbeit ist eine Art Beschäftigung, allerdings ohne Perspektive.
Mehr als 3 Kinder pro Frau sind an der Tagesordnung.
Vor allem brasilianische Schwangere kommen zum Zeitpunkt der Geburt über die offene Grenze, entbinden dann in Frankreich, haben ein französisches Kind, beantragen die Aufenthaltserlaubnis, und schon rollt der Euro. Das Kindergeld ist jedenfalls gesichert. Die grenznahen Geburtskliniken platzen aus allen Nähten, speziell in einem Ort am Grenzfluss Oyapock wird alles regelrecht überrannt durch den Sozialtourismus und seine Folgen.
Alkohol steht in der EU reichlich zur Verfügung und ist billiger als in Brasilien. Also wird die Sozialhilfe gleich gegen den Geist aus der Flasche getauscht. Vor allem an Zahltagen gleiche der Grenzort St. George's- de- l'Oyapock einer Kneipe, mit den üblichen Problemen.
In Camopi, 100km südlich von L`Oyapock entfernt, d. h. 7 Std. per Boot, leben viele Indianer. Deren Traditionen sind bereits zerstört. Die Jugendlichen lernen halt französisch oder englisch, spielen Fußball, trinken Alkohol, langweilen sich, bekommen keine Jobangebote. Die Suizidrate unter ihnen ist besonders hoch.
Brasilianische Goldgräber verwüsten zur gleichen Zeit ohne Rücksicht auf Verluste die Gegend.
Frankreich hat leider auch keine Lösung zu bieten.
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| Foto vom Infostand an Bord |
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| Îles du Salut in Sichtweite ! |
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| das unvermeidliche Lotsenboot kommt angedüst |
Wir werfen den Anker vor den Îles du Salut und den Überbleibseln der Strafkolonie. Die Gruppe besteht aus 3 Inseln, 13 km vor der Küste von Kourou. Sie gehören aber zur Hauptstadt Cayenne, die in 45 km Entfernung liegt. Ans Festland gelangen wir nicht. Aber auf die Île Royal dürfen wir.
Sie ist die größte der 3 Inseln. Die zweite darf nicht betreten werden, da das Weltraumzentrum Kourou hier eine Beobachtungsstation eingerichtet hat. Auf der anderen steht ein Hotel, und es gibt dort einen Badestrand.
Außer Natur, ein paar traurigen Ruinen und einigen Tieren gibt es nichts zu sehen. Es scheint aber doch ein paar Urlauber zu geben, die sich um ihr Mittagessen kümmern.
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| noch hat keiner angebissen |
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| Verstärkung rückt an |
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| im Dickicht sieht man ab und zu ein Relikt aus der Vergangenheit |
Riesige Blätter liegen auf dem Boden, frisch gefallene Kokosnüsse und gelegentlich auch grüne Mangos.
Ob wohl in Deutschland Helmpflicht auf diesem Weg herrschen würde?
Agutis huschen über die Wege und verschwinden im Unterholz. Die braunen Nager sind 40-60 cm groß und kommen mir vor wie eine Mischung zwischen Meerschwein und ein Tüpfelchen Hase.
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| die Agutis haben es meistens sehr eilig |
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| dieses Exemplar ist etwas geduldiger |
Man muss schon ganz genau hinschauen, um die Ameisen zu sehen, die auf dem Baumstamm kleine Blüten transportieren.
Verwaltung, Hospital und Todestrakt waren auf der Île Royale untergebracht. Die hat man jetzt für Besucher herausgeputzt. Erschütternd ist es trotzdem in den Überresten der verschiedenen Gefängniszellen.
Rund um das kleine Hotel ist alles sehr gepflegt, und eine wahre Blütenpracht läßt sich bewundern.
Die schöne Aussicht könnte einen fast vergessen lassen, dass es hier unvorstellbare Einzelzellen ohne Dach untergebracht gab. Die Gefangenen waren in diesen offenen Käfigen nicht vor Sonne oder Regen geschützt. Dort quälte man auch den schuldlosen Dreyfus.
Der Friedhof der Kinder erinnert an ihre traurigen Schicksale.
Das Krankenhaus ist merkwürdig gut erhalten, aber nicht zu besichtigen. Das Hospital war wahrscheinlich dem Personal vorbehalten.
Auf der Île Royale waren Verwaltung, Krankenhaus und Todestrakt untergebracht.
In den ehemaligen Unterkünften der Aufseher logieren heute Touristen, zur Zeit sind Schüler hier. Besonders einladend wirkt die Anlage auf mich nicht.
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| Eingang zum Bereich der ehemals Priviligierten |
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| Touristenbeobachter |
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| Spaziergang da, wo was los ist. Touris sind interessant. |
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| heute: Touristenunterkünfte |
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| ehemalige Kaserne- heute Hotel , Shop und Rezeption |
Ich schleiche den Weg wieder zurück, erfreue mich noch einmal die Stille und der Natur, setze mich auf eine einsame Bank in die Sonne, sauge den Blick auf Palmen und Wasser auf.
Keine 5 Minuten klappt das, dann bin ich umgeben von unentwegtem Plappern. Ich trete die Flucht an und nehme das nächste Tenderboot zurück zum Schiff.
Bald legen wir ab. 933 km liegen vor uns, bis wir in Santana/ Brasilien ankommen.
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| Flagge von Französisch-Guyana |














































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