Dienstag, 5. Dezember 2017

kreuz und quer

5.12.17.

Erst wird die Wäsche aufgehängt, dann geht es los. Es ist erst 10 Uhr!


Vor dem Büro hat sich die Menschenschlange noch nicht verkleinert.


Mit dem Motorrad wäre ich wohl schneller am Ziel.


Guten Morgen, Fidel !


Leider habe ich zu wenig Zeit für die vielen Museen.


Durch die Gassen von Alt- Havanna laufe ich zum Parque Central. 


Dort fährt der rote "hop on hop off"- Bus ab, oder zumindest so etwas ähnliches. 
10 CUC kostet der Spaß. Eine Runde dauert etwa 90 Minuten.
Einen Plan gibt es nicht, den winzigen Zettel mit der vermeintlichen Streckenführung habe ich gestern ergattert. Geholfen hat er mir aber auch nicht.
In rasender Fahrt geht es ohne Stopps durch Havanna. Hotelburgen, alte Villen, wenige neue Wohnhäuser, große Plätze, der Malecon, alles fliegt vorbei. 




Die Lautsprecherdurchsagen auf englisch verstehe ich bei dem Lärm nicht, spanisch ja sowieso leider nicht.
Selten entdecke ich ein Haltestellenschild, angeblich würden sie auch gelegentlich geklaut. Meistens steht nur auf einer Straßenseite eins und dann auch noch um ein paar Ecken herum. Da bleibe ich erst einmal eine ganze Runde sitzen, das ist mir sicherer.


Die Botschaft der USA liegt am Malecon, keine Ahnung, ob amerikanische Ohren dort wieder lauschen dürfen, nach dem mehr als ominösen Angriff auf ihre sensiblen Organe.


Über den Platz der Revolution fegt der Bus in Windeseile und hält ganz kurz, um ein paar Leute einsteigen zu lassen. 



Wir passieren wir den Friedhof, den ich eigentlich auch besichtigen möchte. Er soll der größte Friedhof Südamerikas sein.



Er erscheint mir bei der Hitze wenig einladend. Eine riesige Fläche mit weißen Sargdeckeln flimmert in der Sonne. 


An diesem völlig unspektakulärem Platz hält der Bus an, und ein Mann bietet Kokosnüsse zum Kaufen an, die bei der Hitze auch von einigen angenommen werden. So hat wahrscheinlich ein Kumpel des Fahrers auch etwas von der Tour. Dann wird zurückgerast.








Insgesamt hat der Bus 3x angehalten und das an Stellen, die für michnicht nachvollziehbar waren. So hatte ich mir das nicht gedacht. Am Parque Central entleert er seine Fracht und wartet auf die nächste Tour. Dieser Strassenkreuzer hält auch schon wieder Ausschau..



Von dieser Jagd durch Havanna muss ich mich erst einmal erholen, schaue mir das Hotel Inglaterra von 1875 an, das direkt gegenüber der Bushaltestelle liegt. Mit einem Fahrstuhl geht es hoch auf die Dachterrasse. 
Drinks gibt es da jede Menge, leider keinen Kaffee, dafür aber eine tolle Aussicht.





Im Parque Central nehme ich eine kleine Auszeit, um dann doch noch einmal den Bus zu besteigen. Diesmal bleibe ich aber beim Fahrer und erzähle ihm, wo genau ich raus möchte. Kein Schild weit und breit, aber er lässt mich tatsächlich am Malecón, der Uferpromenade raus.




Das berühmte Hotel National von 1930 sieht von Weitem wie ein Schlösschen aus. Alles was Rang und Namen hat, ist dort schon einmal abgestiegen.

Ich bewege mich  jetzt im Stadtteil Vedado, der früher ein Waldschutzgebiet, später ein Amüsierviertel war.
Wenn in einem Park viele Leute herumsitzen und stehen, kann das nur eines bedeuten. Hier ist einer der Plätze, an dem man in der Stadt Zugang zum Internet haben könnte. Also nichts wie hin.


Fidel Castro hat 1959 tüchtig aufgeräumt auf Kuba und er errichtete sein Hauptquartier im 22. Stock des Havanna Hilton, jetzt Hotel Habana Libre. Davor stehe ich jetzt und will gleich hoch hinaus.




Mit dem Fahrstuhl lande ich im 2. Anlauf ganz oben im Restaurant. Ich bestelle einen Cappuccino. Nach 5 Minuten werde ich gefragt, ob es bitteschön auch ein Espresso sein dürfe. 





Auf meine Frage „warum“ kriege ich kleinlaut zu hören: es gibt keine Milch. Na ja, ich habe ja nicht gewußt, dass die Urlauber in Varadero und Umgebung auch so gerne Milch trinken.

Kein einziger Gast außer mir bewundert die einzigartige Aussicht aus dem 25. Stock. Die gibt es doch auch ohne Milch.




Auch in der Bar herrscht gähnende Leere.

An der Hauptstraße stehen ehemalige Prachtbauten, und die gut besetzten Oldtimer fahren hier fast im Sekundentakt entlang. Offenbar ist das eine der touristischen Hauptrouten.



Viel weiter als bis zu einem weiteren Park, in dem es Eis gibt, komme ich nicht. Ich kaufe mir eine Kugel Erdbeereis. Fan werde ich davon aber nicht.



Ein kleiner Souvenirmarkt in der Nähe hat zumindest zivile Preise. Die gestern erstandenen Zigarren brauchen ja schließlich schöne Schachteln. In der Innenstadt sollten die gleichen dreimal so viel kosten.


Durch hartnäckiges Fragen in Englisch sowie mit Händen und Füssen erfahre ich, wo mein Bus in Richtung Innenstadt abfährt. 
Ich möchte raus am Revolutionsmuseum, wo der Bus auch mittags gehalten hat. Der Fahrer will nicht halten, stellt auf stur und ich auf Durchhalten. Es klappt, allerdings erst ein Stückchen dahinter.




Das Museum lässt schon ab 16.00 niemanden mehr hinein. Schlechte Zeitplanung,
aber dann erkunde ich eben weitere Altstadtgassen. Davon gibt es noch genug, und Langeweile habe ich nicht. 







Das Abendlicht verzaubert immer wieder die Gassen.




Hier wird wieder einmal der Mangel sorgfältig verwaltet. Diese Läden sind meist nur sehr spärlich beleuchtet. Oft haben sie hier im ganz alten Viertel gar keine Fenster, sondern nur weit geöffnete große Holztore.



Ein Mann in einem schwarzen Overall und fast genauso dunkler Hautfarbe steht mitten auf der Strasse und spricht mich auf Deutsch an. Woher ich denn komme. Ganz beglückt hört er es und stellt sich vor. Er ist der Gasinstallateur in Havanna Vieja. Ich müsse nur nach ihm fragen, wenn ich wieder nach Havanna komme! Er würde sich freuen, mich wieder zu treffen. 4 Jahre habe er in Ost-Berlin gelebt vor über 20 Jahren. Er möchte sein Deutsch trainieren, spricht noch immer akzentfrei.


Jetzt bekomme ich langsam Hunger. Die meisten Lokale sind noch leer, man nimmt hier gegen 18 Uhr höchstens einen Drink. Gegessen wird spät.
Mein Lokal von vorgestern serviert aber schon und war sehr gut. Der Kellner begrüßt mich schon von weitem und empfiehlt mir feingezupftes Rindfleisch. Schmeckt super! 


Blicke ich nach links, kann ich die Fassadenkletterer beobachten, blicke ich nach rechts, werde ich daran erinnert, dass wir schon Advent haben.




Später versuche ich im Hotel Santander noch einmal mein Internetglück, obwohl ich nun wieder eine ganze Ecke laufen muss. Heute ist alles doch ziemlich anstrengend.



Erst nach 20 Uhr mache ich mich auf den Heimweg. Ich habe mir die Karte aber nicht gut genug eingeprägt, und so irre ich doch etwas verzagt herum, wohlwissend, dass ich genau hier irgendwo wohne. Nur wo genau? Ein Blick auf die Karte ist bei unzureichender Beleuchtung auch nicht hilfreich. Irgendwann lande ich wieder auf der Plaza Vieja, und von da aus ist es nur noch ein mir gut bekannter Katzensprung.



In der Wohnung haben offenbar die Mücken heute Einzug gehalten und sich zielsicher auf mich gestürzt.
Dann fängt die Klimaanlage an zu tropfen. Innerhalb einer Stunde ist eine 1,5 Literflasche voll. Ich suche mir einen Eimer zum Unterstellen und wische eine große Pfütze auf. Zum Glück hört das Theater danach auf und ich gehe ins Bett. Seit gestern habe ich einen Infekt, der sich im Laufe des Tages nicht gerade gebessert hat. Bestimmt morgen...



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