Montag, 4. Dezember 2017

Zigarren und noch viel mehr

4.12.17.   

Ich schaffe ich es einfach nicht, vor 11 loszukommen. Aber was soll’s. Ich bin ja schließlich mein eigener Boss.
Zuerst steuere ich die Zigarettenfabrik an.
Dazu muss ich wieder durch die halbe Altstadt bis zum Capitol laufen. 
Fidel ist immer dabei.




Geradeaus zu gehen fällt mir schwer, an jeder Ecke lockt ja etwas anderes. 
Mal wird gerade ein Auto repariert,


oder eine junge Frau strahlt mich an und fängt aber gleich an zu stöhnen, dass sie nicht noch ein Kind haben möchte. 2 seien genug. Es sei so anstrengend, sie könne nachts kaum durchschlafen.


Unerwartet komme ich an einem kleinen Markt vorbei. Dem Angebot nach zu schließen ist es ein Privatmarkt. Das Angebot kann sich sehen lassen. aber man muss auch das nötige Kleingeld haben, um hier einkaufen zu können.




Ich muss weiter. 
Die Gegend hinter dem Capitol ist ärmlich und hat noch nichts vom Renovierungsboom gesehen. 




Eigentlich sind es nur ganz wenige Bereiche, die für Touristen aufgehübscht wurden. Keine 100 Meter ab von der Touristenroute nagen Meerluft, Alter, Mangel an Geld und Material. Neben einem frisch gestrichenen Haus steht ein Halbruine, in der noch gewohnt wird, und der nächste Gebäuderest ist einfach zugemauert. 

Die Menschen sind arm, sie müssen viel Zeit mit Anstehen verbringen und zusehen, wie und wo sie das Notwendige beschaffen.


kleine private Geschäfte vergrößern das Angebot

hier wird Wäsche verkauft


die Auswahl ist gerade knapp

hier werden offenbar günstig die Haare geschnitten


Ich bin jetzt in der Gegend um Chinatown, wie man unschwer an dem Torbogen erkennen kann.







Hier gibt es auch ein Telekommunikationsmuseum, so heißt es jedenfalls auf einem Schild am Eingang. Drinnen stehen die Menschen Schlange. Weswegen, das bleibt mir verborgen. 
Nicht aber die monumentale Fototafel mit Fotos aus dem Leben des geliebten Commandante.





Ein sehr interessantes Gebäude ist der Palacio Central de la Computation.
Unzählige Computer stehen herum und mindestens 4 uniformierte Aufpasser im Eingangsbereich. Aber kein einziger Mensch sitzt an den Computern! 


Die Zigarenfabrik entpuppt sich als Reinfall.
Es wird gerade renoviert, weswegen nur der staatliche Shop geöffnet hat, um Zigarren zu verkaufen. 
Aber die Herrschaften sind ja clever. Man erklärt gerne, wo und wie man an das Ziel seiner Wünsche gelangt. Das ist mir alles zu kompliziert. Ich nehme das 2.Angebot an. Mit dem Fahrradtaxi zu einem Hotel. Nur in diesem Hotel bekommt man die Eintrittskarte inclusive Führung für 10 CUC ( etwa 10€) und dann zu der weiter entfernten Tabakfabrik und wieder zurück. Fürs Abstrampeln sind nochmal 10 CUC fällig.
Die Strecke ist weiter als ich dachte, der Preis ist dafür okay.


Über große und kleine Straßen, mit viel Geholpere durch unzählige Schlaglöcher steuert der Fahrer die vorgeschriebene Parkecke für Fahrradtaxen an. Das von außen super renovierte Gebäude darf ich nicht betreten, das ist den anreisenden Gruppentouristen vorbehalten. Individualisten haben sich in einem älteren Gebäude um die Ecke einzufinden, werden dann ebenfalls in Gruppen durch das Haus geführt und müssen in der Halle warten, bis die genug Leute versammelt sind.



Ein paar wenige Arbeitsgänge werden gezeigt. Angefangen beim Vorbereiten des großen Blattes für außen, bei dem zunächst die mittlere Blattrippe entfernt werden muss.



Durch ein enges hohes Treppenhaus mit schlechter Belüftung geht es 2 Etagen höher zu den Räumen, in denen das äußere Blatt gerollt wird.


Zum Schluss wird noch ein kurzer Blick auf den Verpackungsvorgang erlaubt. 


Es herrscht strenges Fotografierverbot.
Keine Ahnung, wieso mein Smartphone ausgelöst hat. Muss wohl ein Bedienungsfehler gewesen sein.

Bevor wir im staatlichen Shop die teuren Cohiba kaufen sollen, sperrt uns unser weiblicher Guide im stickigen Raum ein, in dem wir Rucksäcke einschließen mussten und verkauft natürlich angeblich heimlich beste Zigarren zum Superpreis.

Mein Fahrer holpert wieder in Windeseile mit mir zurück, und ich lechze nach Erholung. Ich setze mich im Park Central in den Schatten.


Danach nehme ich mir als grobe Richtung die Hafeneinfahrt vor. Einen kleinen Umweg kann ich mir nicht verkneifen.







In Richtung Wasser führt eine schöne Allee. Links und rechts wunderschöne Prachtbauten in unterschiedlichen Zerfallsstadien.





Ein Plätzchen, um ein Auto abzustellen, findet sich überall.


Das Revolutionsmuseum ist im ehemaligen Präsidentenpalast untergebracht. Davor steht ein Stückchen der alten Stadtmauer und ein Prunkstück an Panzer von 1961, als Kuba von den USA bezwungen werden sollte, in der berühmten Invasion in der Schweinebucht.


Dafür ist ein nettes Café im Schatten der Kirche bereit, nach gebührender Wartezeit einen Kaffee zu servieren.



Gut erholt komme ich nach einem weiteren längeren Weg doch noch am Malecón an und genieße die Ausblicke und die frische Brise am Meer.








Auf dem Heimweg trinke ich noch etwas im Hotel Santander, um wenigstens kurz ins Internet zu gehen. Da es schon um 18 Uhr fast dunkel ist, bleibe ich nicht lange und gehe heute im „Kuba“ essen. Alles ist lecker und hübsch arrangiert. Leider hat der Koch jedoch versucht, den Fisch durch zu langes Kochen in eine feste, kaum kaubare Masse zu verwandeln.


Ich nehme die Reste für die armen Hund mit, habe nur ein paar Schritte "nach Hause".

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