Sonntag, 3. Dezember 2017

staunend durch die Stadt

3.12.17 

Meine Balkone sind zu verlockend. Ich komme nicht vor 11 Uhr in die Strümpfe.
Heute am Sonntag ist draußen nicht ganz so viel los wie gestern. Das staatliche Büro hat geschlossen.
Wie jeden Morgen serviert mir Rosemarys ein leckeres Frühstück. 



Nicht immer kann sie die Früchte besorgen, die sie sich vorgenommen hat. Man muss das nehmen, was man bekommt und kann ja nicht immer die ganze Stadt abklappern. 
Bei WC Papier zB kann es vorkommen, dass man in den engen Bussen in verschiedenen Stadtteilen fahren muss, um fündig zu werden.
Es kommt mir Vieles bekannt vor, aus der Zeit vor der Wende. Wer die Verhältnisse von damals vergessen hat, sollte sich den Alltag der Kubaner genau ansehen.


Dann unterhalten wir uns eine ganze Weile. Sie macht ein Maschinenbau- Ingenieur -Studium, liebt Deutschland und besonders deutsche Autos. Würde auch gerne da arbeiten, aber einfach ist es nicht, das zu schaffen. 

In Kurven und Kehrtwendungen erkunde ich zu Fuß die Altstadt von Havanna. 
Es gibt eigentlich keine Ecke, in der es nicht etwas Interessantes zu entdecken gibt.







Zunächst besuche ich zur Plaza Vieija, die nur ein paar Schritte von meiner Wohnung entfernt liegt, aus dem 18. Jahrhundert stammt und mit Hilfe der Unesco schon 1996 sehr schön hergerichtet wurde. 





Ein paar Schritte weiter komme ich zum Hotel Raquel. Das Gebäude wurde kurz nach 1900 im Jugendstil errichtet und ist absolut sehenswert.



Mich beeindrucken besonders die Eingangshalle und die bunten Gläser in den Kuppeln. Weniger beeindruckt der hoteleigene PC. Er steht in der Halle, könnte auch aus Marzipan sein, da es hier sowieso kein Internet gibt.




Von ganz oben hat man einen schönen Ausblick und könnte sich auch im Restaurant niederlassen.



Die große Kathedrale von Havanna muss man gesehen haben. Sie ist für die Gläubigen die wichtigste Kirche von ganz Kuba, stammt aus dem 18. Jahrhundert. Heute klappt es leider nur mit einer Aussenbesichtigung. 
Der große Platz davor, die Plaza de la Catedral, ist fast menschenleer. An den Seiten des Platzes stehen wunderbar restauriert Palacios, manche sind heute Museen, andere Restaurants.


Manche Frauen bieten sich gegen ein kleines Entgelt als beliebte Fotomotive an, manche Herren mit dicken Zigarren ebenso, und einen Umzug auf Stelzen gibt es gratis dazu.






Ich gehe am Wasser entlang bis zur Plaza de Armas. Dort war ich gestern auch schon kurz, aber gestern waren Hunderte von Kreuzfahrern unterwegs, da konnte man kaum etwas sehen.






Auf dem Weg dahin lasse ich mich dummerweise in ein kleines Museum hineinlocken.


Eine der Wärterinnen schleift mich förmlich im Galopp durch die Räume, sodass ich nichts in Ruhe anschauen kann. Als sie am Schluss für diesen Tanz auch noch die Hand aufhält, stelle ich mich absolut dumm. Ich kann es den Leuten nicht verdenken, dass sie etwas dazuverdienen wollen, aber dann sollte auch der Service entsprechend sein.
Später wird mir erst klar, was hier abläuft. An allen möglichen Einrichtungen sitzen Uniformierte, die teilweise sogar mit ihrem Körper und Stuhl den Eingang blockieren, weil sie gar keine Lust haben, jemanden hinein zu lassen. 
In eine Galerie zB komme ich bei weit geöffneter Tür rein, die Wärter haben sich schon jemanden geschnappt. Ich kann mich in Ruhe umsehen. Später blockiert ein anderer Aufpasser die Tür, lässt nur ein, wenn jemand ausdrücklich hinein möchte. Dann heftet er sich sofort an seine Fersen, und schon sitzt man in der Falle.

Das Museo de la Ciuadad (ehem. Palast der Gouverneure), heute Stadtmuseum an der Plaza de Armas, ist heute nicht voll wie gestern. Also nutze ich meine Chance zur Besichtigung. Der Innenhof soll einer der schönsten von ganz Havanna sein.




  

Auch hier lasse ich mich in einen Extraraum locken. Das ist die Masche der unzähligen uniformierten Frauen und Männer, die sich wohl so ein kleines Zubrot erhoffen. Aber diese Dame hat mir Zeit gelassen und eine ganze Menge erklärt.
Besonders wies sie auf die angeblich älteste erhaltene Flagge von Kuba hin.



Tolle Plätze, Gebäude, Dachterrassen, es nimmt kein Ende. Die Kirchen sind leider fast alle geschlossen.
Der Weg zur Plaza San Francisco gegenüber dem Schiffsterminal ist nicht weit. 
Im Schatten gönne ich mir eine kleine Pause und einen Cappuccino.







Endlich habe ich eine Post entdeckt!


Die lebensgroße Bronzefigur bei der Kirche wird von Mädchen geliebt, die ihren 15. Geburtstag feiern. Ein Foto gehört unbedingt dazu.



Die vielen Hunde, die hier herrenlos herumlaufen, kann ich schon lange nicht mehr zählen.
Ein Nackthund läuft mit nichts als einem kleinen Haarbüschel auf dem Kopf neben mir her. 


Eine mitleidige Frau gibt ganz fürsorglich 3 Hunden Tabletten gegen irgendwelche Leiden ein. Die Heerscharen an Katzen werden mit Essensresten gefüttert.
Und trotzdem floriert das Geschäft mit dem Verkauf von Welpen, und manch einer trägt gleich 3 nach Hause.

In einer Galerie macht ein Künstler die hungrigen Hunde zu seinem Anliegen. 
Gut gemacht, nur bitte nicht an meinen Wänden. Das würde Depressionen auslösen.




Zu meinem Erstaunen entdecke ich eine russisch orthodoxe Kirche, die sogar zur Besichtigung offen steht.




Ich lasse mich weiter treiben.



 Hier gilt das gedruckte Wort noch etwas. Bücher kann man an jeder Ecke kaufen.




Von den unzähligen Oldtimern bin ich ganz fasziniert. 

  

In alten Hallen am Wasser ist ein Lokal untergebracht, in dem man bei großem Durst sich Bier nicht nur im Glas, sondern gleich 3 Liter in einer Glasröhre auf den Tisch bestellen kann! Und die Musik spielt natürlich dazu.



Gleich nebenan, in alten Terminals sind unzählige Souvenirstände untergebracht. Bei soviel Angebot könnte ich nie und nimmer etwas erstehen. Das verwirrt mich total. Ausserdem erscheinen mir die Angebote fast identisch bei den meisten Shops.



Langsam will ich wieder in Richtung „nach Hause“. 
Da kommt mir eine kleine Kirche in die Quere, in der ich nach nur einer halben Stunde Wartezeit ein Cembalokonzert genießen kann. Scarlatti, Händel, José de Nebra und Pasquini stehen auf dem Programm.
Das Cembalo ist für meine Ohren viel zu leise innerhalb der dicken Gemäuer, bei ständig umspülenden Straßengeräuschen. Mit Cello und Gesang wird es zwar besser, aber es wird dunkel und ich kenne mich noch nicht so gut aus. 


Mein Plan sagt mir, dass ich durch die halbdunkle "Sol" oder "Luz" zurücklaufen muss.





Einen kurzen Stop lege ich an der Aussenterrasse des Hotels Santander ein. Hier stehen einige Kubaner, die offenbar im Internet sind. Das probiere ich auch gleich aus. Zum ersten Mal kann ich ein paar Mails abrufen! Sonst geht aber gar nichts.


Das gestaltet sich interessant, weil die Leute Fenster und Türen aufhaben, teils auf den Strassen sitzen und man so einen guten Einblick in den Alltag im nicht renovierten Altstadtbereich bekommt.

Warteschlangen an der Apotheke

kleiner privater Obst- und Gemüseladen

ein großes Fitnesscenter

Mein Essen nehme ich in einem kleinen Restaurant nahe der Plaza Vieija ein. Man kann sehr schön draussen sitzen und das Leben an sich vorbeiziehen lassen. Das "Los Cubanitos" wird mein Lieblingsrestaurant.


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