2.12.17. Samstag
Der Blick von meinen 3 Balkonen fasziniert mich.
Ruinen, an denen Bäumchen wachsen. Strahlend blauer Himmel guckt durch Reste von prächtigem Fensterglas. Ob ich nach links, rechts oder geradeaus schaue, alles ist spannend.
Um kurz nach 8 kommt Bewegung rein. Alles drängelt sich nun vor einem Haus. Es ist ein offizielles Büro für Ausweisangelegenheiten. Das erfahre ich später.
Die Straße ist eng, wie alle hier in der Altstadt. Es ist ständig etwas los. Im Gegenverkehr gibt es Staus zwischen den wenigen Autos und den vielen Fahrradtaxen.
Die Fahrradtaxen haben einen ungeheuren Vorteil. Sie stinken nicht und machen keinen Lärm.
Das Palavern auf der Straße schwillt auf und ab, unterbrochen von lautstarkem Gekreische irgendwelcher Streithähne.
Mittlerweile flattert schon die erste Wäsche auf den Balkonen.
Ich wohne in einem ehemals herrschaftlichen Palast, in dem früher eine einzige Familie wohnte. Das Gebäude wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut.
Mit so einem Luxus hat Fidel aufgeräumt, alles wurde enteignet.
Jetzt hat es hier 45 ! Wohnungen in einem einzigen Haus, die meisten winzig. Die Kubaner, die wie meine Vermieter eine Wohnung besitzen, sagen, sie haben ein Haus. Also 45 Häuser gibt es in diesem einen Haus. Und Hausbesitzer sind sie auch nach offizieller Lesart.
Man betritt das Gebäude durch eine riesige Einfahrt und landet zuerst im großen Flur, in dem man eine ganze Kutsche hat unterstellen können. Ein paar Schritte weiter ist ein quadratischer Innenhof, in dem Katzen herumschleichen, Blumentöpfe stehen und über dem die Wäsche auf der Leine flattert.
Manche „Haustüren“ sind geöffnet, sodass etwas Luft und Licht eindringen kann. Vor der eigentlichen Tür ist noch eine Metallgittertür, die Ein- und Ausblick gestattet. Direkt an der Treppe liegt ein geduldiger lieber Hund an einer dicken Kette auf den Fliesen. Wenn er einmal muss, dann erledigt er das mitten in diesem Raum. Er hat keine andere Wahl.
Alles muss einmal sehr schön gewesen sein, spärliche Reste kann man entdecken. Nun ist eigentlich Vieles vergammelt und wird aus Mangel an Geld oder Interesse auch nicht gepflegt.
Dass es auch anders geht, zeigt ja mein 3- Zimmerhaus im ersten Stock. Das 3. Zimmer hat zwar kein Fenster, aber die Tür kann man ja offen lassen.
Die Wohnung ist schlicht, sauber und zweckmäßig, nach einheimischen Geschmack sicher auch liebevoll dekoriert.
Neue Gas-, Wasser- und Elektrizitätsleitungen kann keiner herbei zaubern.
Und die Elektrogeräte sind alle durchweg veraltet. Für ein neues Gerät muss man, in Relation zum Gehalt, sehr viel Geld hinblättern. Und selbst wenn man das Geld hat, bringt das nichts, weil es einfach keine Ware gibt. Ein Wasserkocher kostet mindestens 50 Euro. Aber leider gibt es keine zu kaufen. Wird einer geliefert, ist er schon reserviert.
Im Gästezimmer zB steht ein normaler, einfacher Ventilator. Der Vater ist Besitzer eines Ventilators aus der Chruschtschow-Zeit. Aber er funktioniert! Genauso wie mein 50 Jahre alter Eierkocher zu Hause.
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| meine Küche |
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| mein Wasserkocher |
Im Gästezimmer zB steht ein normaler, einfacher Ventilator. Der Vater ist Besitzer eines Ventilators aus der Chruschtschow-Zeit. Aber er funktioniert! Genauso wie mein 50 Jahre alter Eierkocher zu Hause.
Ich mache mich auf meinen ersten Rundgang in der näheren Umgebung.
Die Reiseführer preisen das Convento de Santa Clara an. Sogar besichtigen könne man es evtl. Es liegt nur ein paar Schritte entfernt und entpuppt sich als völlig unansehnliche und verschlossene Anlage. Die Wände bröckeln, alles ist auch von Schimmel befallen. Stockflecken überall. Angeblich ist es unter Renovierung. Zu erkennen ist das nicht und zu besichtigen ist es sowieso nicht.
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| eine der verschlossenen Türen |
Ich lasse mich durch die Gassen treiben. Zu sehen gibt es mehr als genug.
Der Geldautomat ist schneller gefunden als ein nettes Lokal, um etwas zu essen.
Das Hoteldach des Hotels Ambos Mundos soll eine schöne Dachterrasse haben. Hier hat Hemingway zwischen 1930 und 1940 sieben Jahre lang gewohnt. Mit dem Fahrstuhl geht es hoch hinaus, und schon sehe zum ersten Mal in Havanna das Meer und rund um mich herum die Altstadt in ihren unterschiedlichen Erhaltungs- und Zerfallszuständen. Um mich da hin zu setzen ist es mir viel zu voll.
In der „Obispo“, der geschäftigsten und relativ gut renovierten Straße ist ständig etwas los. Aus den Kneipen dringt Live- Musik auf die Straße, während ein paar Meter weiter Weissgekleidete auf Stelzen zur Musik tanzen. Die Fußgängerzonen quellen über vor Menschen. Im Hafen ist vorhin ein riesiges Kreuzfahrtschiff angekommen. Dann wird es wohl ein bisschen enger auf der Touristenmeile.
Ein treuer Hund mit einem lahmen Hinterbein begibt sich auf ein leises Kommando seines Herrchens hin mitten auf den Weg, um dort mit Brille und Hut die Passanten zu amüsieren und sich somit sein Futter zu verdienen.
In fast jedem Laden wird die Erinnerung an die Revolutionäre wach gehalten.
Plakate, Anstecknadeln, Kühlschrankmagnete, alles ist machbar. Bei Büchern hat man den Eindruck, dass es kaum andere Themen gibt.
Unzählige kleine Museen, die an Fidel erinnern, fallen mir auf, auch auf irgendwelche
Revolutionskomitees wird durch Schilder und kleine Plakate an Hauswänden, Türen und in Fluren hingewiesen. Hier würde mir ein Wörterbuch auf dem Handy weiterhelfen können. Oder Spanischkenntnisse.
Fidel selbst ist weiter allgegenwärtig. Plakate, Fotos, Anstecknadeln, T-Shirts, Kappen, Bücher, es gibt fast nichts, was es nicht gibt.
Fidel selbst ist weiter allgegenwärtig. Plakate, Fotos, Anstecknadeln, T-Shirts, Kappen, Bücher, es gibt fast nichts, was es nicht gibt.
Der Hunger ereilt mich, und ich lasse mich im Café Paris nieder. Also ich nach über einer halben Stunde meinen Kaffee, aber immer noch keine Karte bekommen hatte, will ich eigentlich gehen, vor allem als ich sehe, dass am Nachbartisch das ganze Essen zurück geht. In der Sorge, dass dieses Spiel im nächsten Lokal wieder von vorne beginnt, habe ich mir dann aber doch noch einen Sandwich bestellt. Und der war gut.
So gestärkt ziehe ich weiter, vorbei an ausgemergelten Hunden und scheuen Katzen.
Immer wieder gibt es kleine Parks, die wie Oasen wirken.
Der morbider Charme verfallender Gebäude aber weht an jeder Ecke.
Mal ist es interessant, mal unvorstellbar. Es macht auch traurig, zu sehen, dass Vieles schon gar nicht mehr zu retten ist.
Trotz der vielen streunenden Tiere floriert der Welpenverkauf mitten auf der Straße. Auch Katzen, Mäuse und selten sogar Vögel sind im Angebot.
Mal ist es interessant, mal unvorstellbar. Es macht auch traurig, zu sehen, dass Vieles schon gar nicht mehr zu retten ist.
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| eine der vielen Parkflächen für die Oldtimer |
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| das Hotel Parque Central |
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| das Hotel Inglaterra und das Gran Teatro |
Das Capitol wird seit Jahren renoviert, macht bei leichtem Dunst in der Abendsonne richtig was her.
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| das Capitol |
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| das Bild entstand genau gegenüber dem Capitol |
Auf dem Nachhauseweg komme ich noch an Hemingways Lieblingsbar vorbei.
Rosemarys, meine Vermieterin, bringt mich abends zum „El Cubano“, einem von Kubanern geführten Restaurant. Ich nehme auf einem schönen Balkon Platz, von wo man über wehenden Flaggen das Leben auf der Straße beobachten kann.
Musik und Gesang gibt es dazu. Der Herr hat eine schöne Stimme.
Aber schön war‘s doch!











































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