Nach dem Mittagessen nehme ich noch einmal das Tenderboot und mache alleine eine große Runde durch die Wohnbezirke in einem anderen Ortsteil von Afua.
Beim Aussteigen aus dem Boot muss ich halb kriechend durch eine Luke an Land gehen. Am Vormittag musste man eine abenteuerliche Leiter hochklettern, und jetzt versetzen sie die Leiter schon wieder. Der Wasserstand schwankt so stark, dass es ständig neue Überraschungen gibt. Am großen Platz des Ortes ist heute viel los. Die Vorbereitungen für die lange Nacht laufen.
Während die zwei Kinder den Booten zusehen,
kühlen sich die anderen im Flusswasser ab.
Ein Rettungsboot steht immerhin bereit, obwohl weit und breit kein Mensch zu sehen ist. Um die Ecke dümpeln ein paar Boote im Wasser oder rotten im vermüllten Schlamm vor sich hin.
Da biege ich doch lieber in die vielen kleinen nett aussehenden Strassen ein. Schließlich bin ich ja im Venedig Amazoniens.
Viele Holzhäuser, die alle auf Stelzen stehen, werden zum Kauf angeboten. Nicht alle sind gut gepflegt, aber einige Besitzer haben regelrechte Schmuckstücke daraus gemacht.
Mindestens ein Madonnenplakat hängt an fast jedem Haus, häufig sind es gleich mehrere.
Insgesamt ist auf den Wegen aber kaum etwas los. Keine Ahnung, wo die Bewohner sich aufhalten. Nur ein paar wenige Leute sitzen vor ihren Häusern und winken mir zu.
Freunde, Ehefrauen, die Nachbarin, Kühltruhen und viele Kinder werden auf Rädern transportiert.
Bei Kindern ist vor allem das Stehen auf dem Gepäckträger angesagt. Meistens ein Kind, aber zwei passen auch.
Der Umgang mit Kindern ist recht friedlich, wie überhaupt die ganze Stimmung hier. Sie werden sehr viel von Vätern beaufsichtigt und liebevoll umsorgt. Jedenfalls da, wo ich es sehen kann.
Es ist gleich 17.30 Uhr. Ich bin wieder am Hauptplatz angelangt. Bald geht die Sonne unter.
Am Flußufer schmücken die Einwohner fleißig für die große Sylvesterparty.
Ich glaube, für heute reicht es mir.
Schließlich ist ja Sylvester und mal schauen, was an Bord so alles geboten wird.
Für die Jungs ist so ein großes Passagierschiff immer ein Ereignis. Sie beobachten die Seeleute gut, und in der Nacht träumt bestimmt einer davon, dass er einmal al Kapitän zur See fährt...
Ich durchquere zum letzten Mal die Alfonso. Dort hat sich das Deck schon gefüllt.
Das Tenderboot gibt Gas. Afua hat mir gut gefallen.
Jetzt heißt das Motto: Sich in Schale werfen für den Jahreswechsel!
Das Abendessen ist gut, aber als Highlight kann man es nicht bezeichnen. Die Polonaise der Kellner mit den mit Wunderkerzen bestückten Eisbomben muss man mögen, um sich daran zu erfreuen. Die einen klatschen mit hochgerissenen Armen jubelnd mit, die anderen sind froh, wenn es vorbei ist. Warum 2 Kellner minutenlang mit der Plantoursfahne herumtanzen müssen, könnte wohl nur der Choreograph sagen.
Nach dem Essen geht es in die Lounge zum Feiern. Keine Ahnung, warum es nicht draußen stattfindet. Das Wetter hätte mitgespielt.
Die Erwartungen sind hoch. DIe Stimmung gut. Die Band, die hier wohl schon zum Mobiliar gehört, spielt Musik, über die sich nicht alle freuen.
Viele der Generation ab 75 aufwärts sind positiv gestimmt, andere -Jüngere und Ältere- hätten sich auch einmal fetzigere Rhythmen gewünscht.
Irgendwann gehe ich mit einigen anderen nach oben, d. h. nach draußen, weil wir es nicht mehr aushalten.
Die Luft ist nicht gut, man braucht einen Fächer, aber der bringt nicht viel, führt einem gelegentlich die Luft aus der Raucherbar zu. Die Lounge hat sich zu dem Zeitpunkt schon sichtbar geleert.
Alleine sind wir draußen nicht, ich habe nicht gezählt, aber ich denke, dass wir vielleicht 50 oder mehr Leute waren.
Es gibt es keinerlei Musik, ich habe keine Luftschlange oder sonstige Deko in Erinnerung. Der Lautsprecher bleiben stumm. Zum Glück haben wir Uhren. Die Kellner stellen jedem vor Mitternacht ein Glas Sekt hin. Immerhin...
Unser Tisch zählt dann laut die letzten Sekunden und wünscht genauso laut ein Gutes Neues Jahr.
Vielleicht hätte jemand einen Kassettenrekorder mit auf die Reise nehmen und brasilianische oder karibische Musik abspielen sollen. Ein Tipp für die nächste Tour, allerdings ohne mich.
In der Lounge soll es nicht viel spannender zugegangen sein. Halb leer sei sie schon gewesen, als sich ein paar Minuten nach Mitternacht die Mannschaft in ihren weißen Uniformen aufgereiht hätten. Dann hätten sie (nachträglich) von 10 bis 0 gezählt. So haben es mehrere Leute berichtet.
Damit war auch dieser Zauber vorbei.
Vor 2 Jahren war ich auf der Albatros zu Sylvester. Da ging richtig die Post ab, und an die Super- Stimmung denke ich noch heute gerne zurück. Und auch das Buffet, was draußen aufgebaut war, werde ich nie vergessen. Das Schiff war toll geschmückt, es gab Superessen und Supermusik. Keine Ahnung, was das hier sein sollte.
Eigentlich hätte ich mal ein Foto machen müssen von der dämmrigen Zusammenkunft an Deck. Vor lauter Verwirrung über diese Sylvesterveranstaltung habe ich das glatt vergessen.
Wieviele Leute und mit welcher Begeisterung sich dann noch im oberen Restaurant zum "Silvester-Mitternachts-Buffet" eingefunden haben , weiß ich nicht.
Trotzdem und gerade erst recht:
Prost Neujahr!!!






























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