Dienstag, 19. Dezember 2017

Barbados und fliegende Fische

19.12.17 


Barbados ist Insel über dem Wind, die östlichste Insel der Kleinen Antillen, die Hauptstadt Bridgetown. Sie ist 34 km lang 22 km breit, besteht aus relativ flachem Korallengestein. 95% der Bevölkerung sind Nachfahren afrikanischer Sklaven.
Unabhängig seit 1966, souveräner Mitgliedsstaat im Commonwealth of Nations , mit der Britischen Krone in Personalunion verbunden.
Die Ostküste ist rauh und zerklüftet, besonders durch Hurrikans betroffen. An der Westküste liegen die schönen Strände und Hotels.
Früher war Barbados bedeckt von tropischem Regenwald, heute von Zuckerrohrplantagen. Kolumbus segelte angeblich vorbei, so viel Dschungel habe ihn nicht gereizt.
1536 ging dann ein Portugiese an Land der Insel, die nach den bartartigen Luftwurzeln der Feigenbäume benannt wurde. Die Ureinwohner wurden nach und nach ermordet, flohen oder wurden versklavt. Alles nach Plan und ganz legal natürlich.  
Von 1625- 1962, also fast 350 Jahre lang herrschten die Briten hier. 
Die Engländer konnten die fast menschenleer gemachte Insel dann mit Sklaven bevölkern, um sich den Profit aus der Zuckerrohr- und Rumproduktion einzustecken.
1639 hatte man hier das erste Parlament und ist stolz darauf, drittälteste Demokratie der englischsprechenden Welt zu sein.  
Die Sklaven hatten davon allerdings bis 1834 gar nichts, erst dann wurden sie in die Freiheit entlassen, allerdings als bettelarme Habenichtse.
Nun war Platz für Sklaven aus Irland, Schottland und "Indentur- Sklaven" aus dem gesamten Britischen Herrschaftsgebiet, also eigentlich von überall auf der Welt. Auch freiwillig konnte man so einen vermeintlich für sie positiven Vertrag abschließen. 
Die Identur- Sklaven gingen eine Vertragsknechtschaft auf Zeit ein, bei der sie häufig nach 7 Jahren frei waren und dort ihre eigenen Existenzen aufbauen konnten. Dieses Verfahren war bekannt im 16.- 18. Jhdt, vor allem in englischen Rechtssystem.

Alles sei bis heute auf Barbados "very british", auch die Aussprache.



Heute fahre ich auf Barbados von Küste zu Küste. 
Ich lasse mich überraschen.
Die große Inselrundfahrt gestern auf Martinique muss wohl ein Reinfall gewesen sein. Der längste Aufenthalt war in der Rumfabrik. Mit anderen Worten, eine reine Verkaufsshow, für die den Gästen aber ordentlich Geld abgeknöpft wurde.

Heute morgen ist zuerst einmal Chaos an Bord, weil Gäste abreisen, ankommen und Ausflügler sich an Abfahrtszeiten halten sollen. 
Das Stockwerk zum Aussteigen wird nicht angesagt, hat man es gefunden, wartet man in der Sonne auf den nicht eintreffenden Shuttlebus und wird zu Fuß losgeschickt. Eine einzige Tortour! Später soll doch noch ein Shuttlebus gekommen sein. 
Hier liegen gleichzeitig 5 Kreuzfahrtschiffe! 3 davon haben bestimmt 3000 und mehr Gäste an Bord, wir sind mit zur Zeit 260 ja bescheiden klein.



mehr als 4 kriege ich nicht zugleich auf ein Foto

Ich würde am liebsten gar nicht mitfahren. Der lange Weg am Morgen in der prallen Sonne, und die Hetzerei tun mir nicht gut. Das Cruise Center zu durchqueren gleicht einem Slalomlauf. 
Aber schließlich sitze ich doch ganz wohlbehalten im Bus, und es geht los mit einer Stunde Verspätung. Der Ärger bei denen, die nachmittags noch einen Ausflug gebucht haben ist groß. Noch größer bei einem Ehepaar vor mir, dass nicht aufhören kann, über die defekte Klimaanlage in ihrer Kabine laut zu meckern.
Eine nette, kompetente Reiseleiterin aus der Schweiz, die hier schon 35 Jahre lebt, erzählt viel zu Land und Leuten.
Zuerst geht es quer über die Insel nach Osten, zur St. John‘s Parish Church von 1836. Sie steht 250m über dem Meeresspiegel auf einer Klippe über dem Atlantik. Vom umgebenden Friedhof aus hat man einen tollen Blick. Die vorherige Kirche war durch einen Hurrikan zerstört worden. So etwas ist hier offenbar an der Tagesordnung.






Hier stehen jede Menge Frangipanibäume, fast alle sind gerade kahl. Nur an einem entdecke ich 2 zarte Blüten.

In nördlicher Richtung fahren wir dann bis nach Bathsheba, einem Fischerdorf, von dem  aber nichts zu sehen ist.



Surfer lieben diesen Strand mit seinen wilden Wellen und Strömungen. Es gibt nur 2 kleine Hotels, und daran soll sich auch nichts ändern. 


Einen Ortskern habe ich nicht entdecken können, nur im Vorbeifahren ein paar ansehnliche Häuser.


Einmal durch die Mitte der Insel geht es zum nächsten Aussichtspunkt.

wunderbare Landschaften

Schafe ohne Wolle

einsame Häuser mit einzigartiger Aussicht

Das Highland Adventure Center in der Gemeinde St.Thomas liegt 300m über dem Meeresspiegel.




Von dort aus hat man einen besonders schönen Blick über die Ostküste. Aber das muss hart erarbeitet werden! 
Schließlich wollen ja mindestens 10.000 Schiffstouristen glücklich gemacht werden. Ich erinnere: es liegen 5 große Schiffe im Hafen.
Zum Glück haben nicht alle den gleichen Ausflug gebucht, aber die Drängelei ist groß und mir ziemlich  unangenehm. Man kann sich aber ganz gut absetzen, da die Herde eng zusammenbleibt.
Mehrere Busse stehen mit laufenden Motoren herum, nach Möglichkeit so, dass die Gäste keine 20 Meter laufen müssen.

die Fotospezialisten

Getränkegutscheine machen glücklich

Es gibt auch ruhige Plätzchen mit freiem Blick

Es gibt etwas umsonst!  Rumpunsch, Fruchtpunsch oder für ausgewählte Gruppen auch Bier. Man bekommt einen blauen Schnipsel in die Hand gedrückt und muss sich damit in einer langen Schlange anstellen.
Der Punsch kommt im Schwall aus großen Plastikkanistern. Es ist nicht nachvollziehbar, was da drin ist. Offenbar gibt es einen Großproduzenten für die ganze Karibik, sowas wie Punsch-Aldi vielleicht?
Die besten Fotoplätze sind belegt durch Leute, die 2 Stunden für ein Foto brauchen und sich direkt vor Ort das Foto noch lange betrachten, bevor sie den Platz räumen. 
An manchen Ecken gibt es zum Glück ganz viel wunderbare Natur, dafür aber weniger Mensch.

Durch tolle Landschaft machen wir uns auf den Rückweg.  Über die Insel verstreut gibt es noch eine Menge Mahagonibäume, die unter strengem Schutz stünden.
Zuckerrohr wird angebaut, eine besonders feine Baumwollsorte und einiges an Gemüse und Obst für den Hausgebrauch.

Die Ansiedlungen quer über die Insel wirken durchweg sauberer und gepflegter als auf den anderen Inseln. Auch sieht man weniger armselige Hütten. Vielleicht fällt doch durch die Superreichen ein wenig ab für die weniger begüterten Menschen. Es gibt, zumindest in der Saison, nur 2-3% Arbeitslosigkeit.

Man sieht viele Königspalmen, die ursprünglich aus Ägypten stammen.
Rund um ihre Plantagen wurden Formationen davon gepflanzt, in einzigartigen, von den Behörden erteilten Mustern, damit die Sklaven immer schon von weitem wussten, wo sie hin gehörten und sich nicht verliefen.

Die Engländer schafften hier Iren und Schotten her, die dann als Strafgefangene die Schwarzen zu befehligen hatten. Der nördliche Teil der Insel „gehörte“ den Schotten, der Süden den Iren. Untereinander waren sie sich nicht grün.

Wir durchfahren die Region Holetown, entlang der Westküste. 
Dort befindet sich ein großes Golf Ressort ohne Hotel. Man hat da seine eigene Villa am Platz. Manfred Langer zB, deutscher Golfer, soll seit über 15 Jahren da ein Domizil haben.
Auch der Oligarch Abramovic habe ein Anwesen in dieser Region und müsse sich nach den hiesigen Regeln richten. Er dürfe mit seinem waffenbestückten Schiff nicht bis zum Hafen fahren. Aber er hat glücklicherweise auch einen Hubschrauber an Bord, mit dem soll seine Gattin dann desöfteren einschweben.
Die Regierung erlaube auch keinen Privatstrand, was zum Ärger mit manchem Möchtegernbauherrn geführt habe.
Die Sängerin Rihanna stammt von hier. Es heißt, sie liebe den Alkohol zu sehr, und deswegen sei man von ihr genervt. Trotz allem hat man im letzten Jahr sogar eine Strasse nach ihr benannt.

Es ist offenbar DIE Insel für die ganz Reichen. Wer locker 10.000 Dollar für eine Nacht zahlen kann, der macht es sich hier gemütlich.
Das teuerste Hotel der Welt soll hier stehen, und die vielen berühmt- berüchtigten Namen der Superreichen, die auf Barbados Haut zeigen, kann man bei Interesse bestimmt in der Gala nachlesen.

Ich glaube, das ist das teuerste Hotel, das Sandy Lane- von der
Strasse aus gesehen, bin mir aber nicht ganz sicher.

Tolle Häuser stehen herum, weiträumig abgesperrt und eingezäunt natürlich, einige auch von der Front her fast direkt an der Straße, wie das Sandy Lane.

Zurück zum Schiff heißt es wieder : Laufen oder auf den nächsten Shuttlebus warten. Nach dem Mittagessen ruhe ich mich ein wenig aus, um mich noch einmal raus zu wagen. 
Die Stadt sah vom Bus aus groß, interessant und recht sauber aus. Leider sind es 2 km bis zur Stadtmitte, und die ziehen sich ganz schön. Aber ich möchte laufen und schauen! Es ist am Nachmittag auch nicht mehr ganz so heiß.
Schon der kleine Fischmarkt auf halber Strecke ist sehenswert, auch wenn nicht mehr so viel los ist wie morgens.





Mein echtes Interesse erkennend, wird mir gleich an 3 Ständen gezeigt, dass sie wirklich die fliegenden Fische gefangen haben. 13 verschiedene Sorten soll es davon geben.



Der Weg durch die Stadt zieht sich wie Kaugummi...


Dann erreiche ich endlich den Stadtkern. Die Mündung des Constitution Rivers nennt sich Careenage, dient als Yacht- und Fischereihafen. Einer uralte Brücke überspannt den Constitution River.  




Auf der anderen Seite liegen die neugotischen Regierungsgebäude. Ich gebe zu, es sieht alles, zumindest in diesem Bereich der Stadt, sehr britisch aus. Der Platz hieß früher Trafalgar Square, jetzt National Heroes Square.



Ein paar Ecken weiter tobt das richtige Leben. Weihnachten naht. Auch hier ist man kurz vor diesem Fest- und Feiertag auf der Jagd durch die Geschäfte.
Im Bereich des Marktes ist es beschaulicher.
Bridgetown enttäuscht mich. Nur ein paar wenige alte Gebäude habe ich gesehen. Die kleinen alten Häuser aus dem 17. Jhdt fallen nicht ins Auge.  

linke Strassenseite: ein paar Häuser aus der alten Zeit

geschäftiges Treiben

gut, dass es alte Fässer gibt!

die Herren beim konzentrierten Spielen

die Dame räumt auf

wer soll das alles kaufen?

die engen Altstadtgassen verlieren ihre Schönheit

der nächste Regenguss zieht auf

schöner Platz, um sich auszuruhen

die alte Bibliothek

Schuhe gefällig?

die vielen Autos sind nervig

bei der Kirche wird es ruhiger

am Busbahnhof

Sonnenuntergang auf Barbados



Zumindest der nahende Sonnenuntergang erfreut mein Herz. 

Um den langen Marsch aufs Schiff zu vermeiden, mogele ich mich in den Shuttlebus, der das Schiff hinter unserem anfährt. Er ist rappelvoll mit Italienern. Der nette Fahrer lässt mich direkt an der gewünschten Gangway raus.
Nun bin ich heilfroh, wieder an Bord zu sein.









die alte Bibliothek

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