auf dem Amazonas bis nach Manaus
Etwa 1700 km sind es mit einem Schiff vom Atlantik bis Manaus. Ganz so viele Kilometer müssen wir nicht bewältigen, um die Stadt heute Abend zu erreichen. Aber 461 km können sich auch ganz schön in die Länge ziehen.
Der Himmel ist meist zugezogen. Nur ein bisschen hellt er sich ab und zu auf. Dann droht er gleich wieder, seine Schleusen zu öffnen.
Wir fahren den ganzen Tag flussaufwärts. Die Ufer sind fern. Ursprünglicher Regenwald wächst in Ufernähe nicht mehr, nur noch mittelhohe Bäume und ab und zu sieht man plantagenähnlichen, gleichartigen Bewuchs. Die Bäume stehen in lichter Reihe und haben alle eine sehr helle Rinde. Was nicht durch menschliche Hand gerodet wurde, ist den regelmäßigen Überschwemmungen zum Opfer gefallen. Um Primärwald zu finden, muss man wahrscheinlich sehr weit von menschlichen Behausungen entfernt sein.
Einen recht großen Ort mit Industrieanlagen, aber auch kolonialer Architektur haben wir passiert. Keine Verlautbarung dazu von der Brücke über den Ort. Ein paar Infos wären nicht schlecht gewesen.
Er schien nicht kleiner als das gestrige Parintins, bleibt für uns aber namenlos.
Ansonsten sieht man nur ganz vereinzelt Hütten am Ufer.
Mitten im Grünstreifen taucht plötzlich ein kleiner Fähranleger auf, an dem 3 kleine Boote und relativ viele Menschen zu warten scheinen. Das Fernglas verrät den Grund für die Ansammlung. Es ist Markttag.
Der Friedhof am Ufer sieht relativ groß aus. Irgendwo wohnen offenbar doch deutlich mehr Menschen, als man es vom Schiff aus ahnen kann.
Der Amazonas ist zu meiner Verwunderung fast leer. Vorher haben wir schon nicht viele Schiffe gesehen, aber nun ist fast gar nichts mehr los. Lediglich 2 Einbäume habe ich entdeckt. Später tauchen in Ufernähe gelegentlich kleine Boote auf.
Wasser, Himmel, schwimmende Inseln aus Baumstämmen und Wasserhyazinthen sowie ferne Ufer sind unsere Begleiter. Und wo sind die Schiffe, die Waren auf diesem riesigen Fluss transportieren?
Das Schiff auf dem Bild unten ist eines davon. Es müßten aber doch viel mehr sein, da der Fluß ja die Hauptverkehrsstrasse ist.
Kurz vor der Stadt treffen sich der Rio Negro und der Rio Solimões, und das Schauspiel dieser „Begegnung der Wasser" (Encontro das Aguas) ist beeindruckend. Auf einer Strecke von 11 Kilometern fließen sie zwar in einem Flußbett, das schwarze und das braune Wasser vermischen sich aber zunächst nicht, sondern beide Gewässer fließen wie mit einem dicken Pinsel in die Landschaft gemalt nebeneinander her. Sogar auf Satellitenbildern sei die Grenzlinie zwischen den Gewässern zu erkennen.
Bald darauf fängt der Himmel an, uns die fantastischsten Wolkenformationen zu präsentieren.
Manaus, das sich vom Wasser aus als Industriestandort präsentiert, wirkt durch diese Himmelsspiele geradezu verzaubert.
Dann haben wir endlich den Hafen erreicht. Sonne und Wolken strengen sich zum Abschied des Tages noch einmal richtig an.
Der Bus kommt schon, um die Ausflügler abzuholen.
Rita und ich wollen eigentlich abends nochmal einmal raus. Bis zum berühmten Opernhaus ist es ja nicht weit. Aber am Hafenausgang fängt uns ein Deutscher ab, der hier lebt. Nach seiner ausdrücklichen Warnung gehen wir lieber wieder aufs Schiff zurück. Abends bin ich immer erheblich ängstlicher als am Tag. Ich glaube, Rita hätte es gewagt.
Später laufen andere in einer größeren Gruppe, das ist sicher ungefährlicher.
Dummerweise gehen wir nicht mit und setzen uns lieber ins Hafengebäude. Da gibt es endlich einmal wieder Wifi, wenn auch ziemlich lahm. Man hätte als Normalkunde ohne Gruppe für nur einen einzigen Dollar zur Aufführung ins Opernhaus kommen können, oder als Rentner sogar umsonst! Verglichen mit dem Preis, den man bezahlen mußte, wenn man das als Ausflug vom Schiff buchte, inklusive Bustransport, ist dies ein Witz. Dieses Ticket kostet nämlich 98€!
Den Begrüßungstanz beim Einlaufen des Schiffes gibt es umsonst.
Ein bißchen Theorie zur Nacht...
Manaus war erst mit dem Kautschukboom groß heraus gekommen. Straßenbahnen gab es in Europa noch nicht, aber hier! Von 1870 bis 1910 ging es steil bergauf. 1890 nannte man es das "Paris der Tropen".
Der amerikanische Autoproduzent Henry Ford hatte eine Vision und gründete um 1930 sogar eine Stadt mitten im Regenwald. Fortlandia. Von Santarem aus könnte man sie bei geeignetem Wasserstand in 13 Stunden Fahrt mit einem kleinen Amazonasdampfer erreichen. Es gab dort nicht nur eine Schule, sondern auch ein Krankenhaus, Restaurants, Kinos, Tanzlokale, schicke Wohnhäuser mit Waschmaschine und Kühlschrank, alles Importware aus den USA und äußerst komfortabel.
Henry Ford brauchte Kautschuk für seine Autos und ließ riesige Plantagen anlegen. Von einer blühenden Stadt mit allem modernen Komfort für 5000 Menschen blieben nur Ruinen übrig.
Der Kautschuk konnte nie geerntet werden, da seine Pflanzen an einem Schädlingsbefall litten.
Dann lösten asiatische Länder Brasilien in der Kautschukproduktion ab, konnte alsbald riesige Mengen billig liefern, und so ist es bis heute geblieben. 1945 fiel das Land an die brasilianische Regierung zurück. Mit dem Reichtum, war es zu der Zeit schon lange vorbei.
Erst eine Freihandelszone bringt seit einigen Jahren neues Geld in die Region. Und so wuchs Manaus zu einer großen Stadt heran, mit Hochhäusern, aber auch Favelas. Viele Kolonialbauten verfallen. Nur wenige sind herausgeputzt, wie das Teatro Amazonas, das 1896 eröffnete Opernhaus.
Alle seine Baumaterialien wurden aus Europa importiert! Marmor aus Italien, Kacheln aus Elsass- Lothringen und das Mobiliar aus Frankreich.
Bei Manaus leben im Amazonas rosa Delfine, die als besonders intelligent und spielfreudig gelten. Wie auch an anderen Plätzen der Welt, findet hier auch Delfin- Therapie für behinderte Kinder statt, die jedenfalls Freude an der Aktion haben.
Touristen dürfen allerdings auch mit diesen Tieren schwimmen und haben ebenfalls Spaß daran, mit diesen Tieren zu schwimmen. Das bringt wenigsten ein bißchen Geld ein.




















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