Mittwoch, 10. Januar 2018

Schwitzen in Manaus

10. Januar in Manaus



Schon um halb 8 sind Rita, Marlis und ich unterwegs.



Direkt neben dem Hafen liegt das alte Zollhaus von 1906, dessen Steine extra aus Schottland herbeigeschafft wurden.



Weit ist es nicht mehr bis zu den Markthallen. 




Bei den Fischen ist rein gar nichts los. Kann sein, dass wir den richtigen Fischmarkt vor lauter Hallen verpasst haben.



Die Hallen wurden den Pariser Markthallen nachempfunden, von Gustave Eiffel entworfen und 1883 eröffnet. Sie sind allerdings noch ziemlich leer um diese Zeit. Die Gänge sind teils sehr eng. Wenn Hochbetrieb ist, kommt man sicher kaum durch.




 Wir haben noch viel vor und ziehen weiter.



3 verschiedene Stadtpläne suggerieren, dass alles Interessante gut fussläufig zu erreichen ist.
Obst könnten wir kaufen und Hängematten. Aber das ist nicht unser Plan.



Wo ist er denn, der Palacio Rio Negro? Einheimische kennen ihn nicht, und die Pläne taugen nichts.
Er wurde 1910 erbaut für einen Deutschen namens Waldemar Scholz, der mit Kautschukhandel zu Geld gekommen war. Zum Ende des Kautschukbooms kam auch noch der erste Weltkrieg und somit das Ende seines Wohlstandes. Seit 1996 ist das prächtige Gebäude ein Kulturzentrum und Museum.
Nach endlosem Laufen erreichen wir ihn und müssen uns in seinem Schatten erst einmal erholen.



Jetzt werden unsere Wünsche schon bescheidener. Nur noch zum Indiomuseum und zum Teatro. Im Schatten der Häuser kommen wir schwitzend voran.


Auf einer recht großen Straße stehen vorwiegend unscheinbare Häuser, dazwischen entdecke ich gelegentlich ein Highlight aus alten Zeiten, von dem allerdings oft nur noch die Front von Brettern zusammengehalten wird. Immer wieder entdeckt man kleine alte Kirchen.


2 neue und herausragende Gebäude stehen sich direkt gegenüber und konkurrieren um die Schäflein. Auf der einen Seite beten die Adventisten und auf der anderen Straßenseite die Konkurrenz. Besonderen Wert scheint man auf Ordnung zu legen.





Tapfer halten wir noch bis zum „Museo do Indio" durch.
Dieses ist ziemlich dunkel und schlicht, wird von Salesianern geführt, die nebenan auch eine Schule unterhalten und bestimmt auch irgendwo im Urwald ihre Missionsstationen. Sie haben es heutzutage nicht mehr so leicht.
Es wird heftig evangelikal missioniert in Südamerika, die katholische Kirche bekommt das bereits zu spüren.






Wir sind uns einig, dass wir nur noch mit einem Taxi bis zum Theater kommen. Für den Weg hätten wir mindestens eine Stunde in der Sonne gehen müssen.
Die Stadtpläne gehören allesamt auf den Müll.




Das Opernhaus, das Teatro Amazonas, welches 1896 eröffnet wurde, macht sich bei Sonne und blauem Himmel natürlich besonders gut. Fast alle Baumaterialien wurden aus Europa importiert! Marmor kam aus Italien, Kacheln aus Elsass- Lothringen und das Mobiliar aus Frankreich, die Fliesen der Kuppel aus Deutschland und die Pflastersteine vor dem Theater aus Portugal.



Aber auch drinnen gefällt es uns gut. Bei einer Führung kommen wir nicht nur in den Zuschauerraum, sondern bis in die ehemaligen Garderoben in der 3. Etage.









Danach schleichen wir zurück zum Schiff und wollen uns nie mehr bewegen.





Nach dem Mittagessen und einer weiteren halben Stunde Pause gehe ich aber doch noch einmal durch die Straßen. Ich glaube ja nicht, dass ich hier noch einmal hinkommen werde, und meine Füße tragen mich noch.








Als in Europa noch keine Straßenbahnen fuhren, gehörten sie hier bereits zum Alltag.


Ich besichtige die große Kathedrale in Hafennähe, und bald erwischt mich ein Regenschauer. Ich kann mich prima unterstellen. Schwerer haben es die fliegenden Händler, die schleunigst alles vom Boden aufraffen und einpacken müssen.



Bevor ich auf das Schiff zurückkehre, versuche ich im Terminal vom freien Wifi zu profitieren, leider mit wenig Erfolg, weil zu viele Leute die gleiche Idee haben. Aber schlechter als auf dem Schiff kann es ja kaum sein.

Im Hafen kommt gegen Abend das Gewusele ein wenig zum Stillstand. Es ist unheimlich spannend, vom Schiff aus das Treiben zu beobachten.



Ganztägig wird ein- und ausgeladen, geschleppt, verpackt und geschuftet, wie in einem Ameisenhaufen.



Kleine Boote sausen hin und her. Amazonasdampfer füllen sich mit gepäckbeladenen Passagieren. Die ersten Hängematten werden besetzt und beginnen zu schaukeln.





Ein Dampfer läuft aus, allerdings nur um nach ganz kurzer Strecke offenbar mit Motorschaden still zu stehen. Langsam schleicht er sich später wieder in den Hafen zurück. Diese Passagiere müssen wohl etwas länger als vorgesehen in der Hängematte schaukeln. 
Wie gut, dass es kaum noch jemanden ohne Handy gibt. Zumindest der Verwandtschaft kann man so Bescheid geben.
Um 19 Uhr legen wir ab und die schönsten Wolkenbilder begleiten uns.






Weit im Hintergrund (etwa 11km entfernt)  sieht man noch einmal die 3km lange Ponte Rio Negro. Sie ist eine der größten Schrägseilbrücken Brasiliens und neben dem Teatro das zweitwichtigste Wahrzeichen von Manaus. Der Rio Negro hat kurz vor der Brücke noch eine Breite von 20 Kilometern, verengt sich dann auf 2,7km. 



Unser Schiff dreht sich, wir müssen wieder raus aus dem Schwarzwasser und rein in den braunen Amazonas.
641 Kilometer liegen jetztvor uns bis nach Cuxiu Muni, wo wir übermorgen früh ankommen wollen.  
Dort sollen die Zodiaks wieder zum Einsatz kommen sollen.




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