Montag, 8. Januar 2018

Theorie bei Nieselregen


zwischen Santarem und Parintins




Den ganzen Morgen regnet es leicht. Dadurch stauen sich die Gäste im Palmgarten, wo es in einigen Ecken eiskalt aus der Klimaanlage herauspustet.
In der Lounge ist es etwas gemütlicher, allerdings strapaziert dort einer der Lektoren das Publikum. Bis zum bitteren Ende hält es nur etwa die Hälfte der Leute aus.
Er spricht leider sehr langatmig und verfranzt sich in seinem sicher großen Fachwissen.
Um mich herum verfallen Leute in Tiefschlaf, andere verlassen den Saal. Einige Details werden leider von jedem Lektor erzählt, sodass ich mich frage, ob sie sich überhaupt gut abgesprochen haben. Vielleicht sind 4 Lektoren einfach zu viel.

Zwischen Anden und Atlantik besteht nur ein Gefälle von weniger als 100 m auf 4000 km. Das beeinflusst natürlich die Fließgeschwindigkeit des Wassers.
5-7 Monate im Jahr kommt es zu riesigen Überschwemmungsflächen. Nicht jeder Wald hält das aus, nur spezielle Überschwemmungswälder.
Die Böden bieten lediglich in Ufernähe des mit Schlamm aus den Anden versetzten Braunwassers einen Boden, der Landwirtschaft zulässt. Auch angewehter Staub aus der Sahara düngt die Urwälder. Aber bereits nach wenigen Jahren sind die Böden völlig ausgelaugt, und es gedeiht nichts mehr.
In den völlig nährstoffarmen Schwarzwasserzuflüssen liegt der ph- Wert im sauren Bereich. Hier schwimmen kaum Fische, und an Land wächst nur noch Manjok. „Hungerflüsse" werden sie deswegen genannt.

Steine zersetzen sich in Amazonien mit rasender Geschwindigkeit, weswegen auch nicht ausreichend Material für Gebäude und Straßen (Schotter) vorhanden ist. Man muss schon tief buddeln, bis man auf Gestein trifft.
Die Politik zeigt sich nur mäßig an der Umwelt und den hier lebenden Menschen interessiert. So wurde zB der Einsatz von Gensoja gebilligt, was hauptsächlich Monsanto und die Leute, die dort absahnen, glücklich macht. Mit dem patentierten Samen werden Dünger und Pestizide gleich mit verkauft und erledigen so nebenbei die störenden Insekten und sonstiges Kleingetier in der Umgebung gleich mit. Der empfindliche Kreislauf der Natur wird gnadenlos zerstört.
Dazu kommt, dass für den Anbau von Sojabohnen natürlich weitere riesige Urwaldflächen gerodet werden müssen.

Sogenannte Landlose dürfen sich am Amazonas ansiedeln, obwohl das Gebiet so viele Menschen gar nicht ernähren kann. Brandrodungen nehmen zu, Goldschürfer vergiften die Gewässer, und illegale Baumfäller haben ein leichtes Spiel, auf den riesigen neu erbauten Straßen im Urwald ihre Waren rasch und scheinbar unbemerkt abzutransportieren.
Das Wettrennen um Geld, Macht und vielleicht das Überleben unserer Erde ist weiterhin in vollem Gange.





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anders, aber auch nicht schlecht

Februar 2018   -   eine Woche später                         Auch Hannover hat seine Reize!