Donnerstag, 21. Dezember 2017

Grenada - Duft liegt in der Luft

21.12.17 



Heute ist schon wieder Passagierwechsel.
Da werde ich lieber zu den Gewürzen fliehen und mir den Regenwald der Insel ansehen. Grenada ist die südlichste der Kleinen Antillen, und ihre Hauptstadt, St. George’s soll die schönste Hafenstadt der Karibik sein.  Die Insel ist gerade einmal 18 km breit und 34 km lang und zählt auch zum Commonwealth of Nations.
Wir ankern in der „Carenage“, einem natürlichen Hafenbecken, bewacht von den Resten des riesigen, 1705 von den Franzosen erbauten Fort George. Die Carenage ist ein ehemaliger Vulkankrater, der überflutet wurde.




In einem Minibus fahren wir zunächst zu einem Fischerdorf namens Gouyave zu einer Muskatnussfabrik. Die Fabrik ist eine von zweien, die noch in Betrieb sind. Bis 2004 waren es 4, und Grenada war der drittgrößte Muskatnussexporteur der Welt. Ein Hurrikan zerstörte 2004 fast 80% der gesamten Insel.
 Hier könnte maneigentlich  den arbeitsreichen Ablauf von der frischen Frucht vom Baum bis zu dem Produkt, was bei uns teuer im Supermarktregal liegt, sehen. Zu sehen gibt es aber nur ein wenig davon, da die Geschäftsleitung andere Vorstellungen hat. Die Fabrik würde nicht sehr pfiffig gemanagt. Es kleben unzählige Schilder an Pfosten, alle nur mit Verboten. Selbstverständlich auch das Fotografieren. Aber daran hält sich keiner. Bis auf ein paar Fotos an einer Wand gibt keine Infos über den eigentlich interessanten Arbeitsverlauf oder die Nuß an sich, eigentlich nur Verbote und einen Fabrik- Shop, den dann auch fast keiner mehr kennenlernen möchte.



Zuerst muss das Fruchtfleisch vorsichtig entfernt werden, die rote Muskatblüte, die die Nuß umhüllt, sollte möglichst ganz bleiben beim Abschälen.  Erst dann wird sie eine Etage tiefer weiter bearbeitet. 
 Am Schluss müssen sie einen Wassertest bestehen. Das in den Nüssen enthaltene Öl ist schwerer als Wasser, und die guten Nüsse gehen unter. Die schwimmenden werden abgefischt und an die Pharmaindustrie verkauft, die quetschen dann offenbar doch noch das raus, was sie haben möchten.
Aus 5 Meter Entfernung kann ich die Wasserbecken sehen. Näher heranzugehen ist verboten. Ddarüber wacht eine strenge junge Lady. Der Wassertest ist also auch hochgeheim.


die Wasserbecken befinden sich unterhalb der Fenster

Ein paar wenige Frauen sitzen arbeitend herum. Letzte Woche sei gar nichts los gewesen. Schuld daran sind wohl die derzeitigen enormen Regenfälle.







Die Frauen bekommen die Nüsse mit ihren Schalen durch Röhren aus der oberen Etage zugeleitet, die kein Fremder betreten darf. Teils purzeln sie direkt in Säcke, teils scheinen sie hinter einer Klappe in einem Behälter zu liegen. 
Ihre Aufgabe ist es, Schalenreste und defekte Nüsse auszusortieren. Bezahlt werden sie nach dem Gewicht der abgelieferten einwandfreien Nüsse. Wer eine Ladung Ausschuss dabei hat, der hat eben Pech gehabt.




Andere Arbeitsgänge als das Sortieren per Hand dürfen wir leider nicht sehen.


In der Halle duftet es nach Muskatnuss, auf riesigen Holzgestellen lagern die Nüsse zum Trocknen. Sie müssen täglich bewegt werden.


Die Nüsse selbst bleiben im Land in ihrer harten Schale, können jahrelang gelagert werden. Für den Export werden sie geknackt, und die harten Schalen finden Verwendung im Garten. Teils gegen Insekten, teils in dicken Lagen als Einbrecherwarnanlage, da sie beim Drübergehen knacken. Bei Regen saugen sie Wasser auf, die Schuhe bleiben sauber. Nachdem sie wieder getrocknet sind, knacken sie wieder wie zuvor.



Draussen werden wir schon von den Verkäufern erwartet.





Die Häuser zeigen, dass man bislang doch ein wenig Geld mit der Nuß verdienen konnte.
Hinter den Häusern fängt abrupt die Wildnis an.
In der Hütte wohnt ein Mann, an dem der Wohlstand wohl vorüber gegangen ist. Oder vielleicht wollte er naturnaher leben? Sein Essen bereitet er jedenfalls draußen zu.



Ein junger Mann radelt flott bergauf und präsentiert seine trainierten Muskeln in der Sonne. Ein paar Meter drängen sich Papayas an ihrem Stamm. Alles strotzt nur so in saftigem Grün.












Auf dem weiteren Weg in die Wildnis halten wir bei einem Mann, der uns die Muskatnuss dann so zeigt, wie man es in der Fabrik erwartet hätte, also unversehrt, mit Blüte, mit Schale und ohne Schale.



Er hat auch 2 noch unreife Kakaofrüchte zum Vorzeigen. Die Kakaobohnen sind zwar noch nicht essbar, aber das dünne Fruchtfleisch drum herum kann man ablutschen, und es ist einfach nur köstlich!




Außerdem verteilt er sehr leckere Grapefruithälften, allemal besser als dieser ominöse Rumpunsch aus Plastikkanistern.

Weiter geht es zum Grand Etang Kratersee im Nationalpark.
Wir kurven durch bergige Straßen im Regenwald bis auf 530m hoch. Immer wieder gibt es kleine Ansiedlungen oder verstreute Häuser. Von der respektablen Villa bis zur einfachen Holzhütte ist alles vertreten.

Das Gebiet ist weitläufig in privater Hand, und man sollte sich hüten, ein paar Muskatnüsse oder Bananen zu klauen. Mundraub gibt es hier nicht, aber Gefängnisse! Im Dorf unserer Reiseleiterin habe kürzlich ein Mann 4 Monate Gefängnis aufgebrummt bekommen, weil er 3 Kokosnüsse mitgenommen hat, die vom Baum eines Nachbarn herunter gefallen waren.
Die Natur ist üppig, saftig grün.
Wenn ich mir allerdings vorstelle, ich würde da hindurchgehen müssen ohne Hilfe, dann fällt mir die Bezeichnung „grüne Hölle“ ein.


Zimt-, Papaya-, Muskatnuss-, Bananenstauden, Kakaobäume, Bambushaine und Baumfarne, alles steht einträchtig, eng und wild beieinander.


Kakaobaum am Strassenrand

Verhungern muss man glaube ich nicht. Die Brotfruchtbäume tragen reichlich Früchte. Sie werden auch heute noch viel verzehrt und dienen als Kartoffelersatz. Sie wurden ehemals durch die Engländer auf den Inseln angepflanzt, da sie kalorienreich sind und somit zum Durchfüttern der Heerscharen von Sklaven geeignet erschienen.


Der Nationalpark ist dadurch zu erkennen, dass er Eintritt kostet. Und an den Verkaufsbuden, an denen die Händler ihre Gewürze anpreisen. Grenada gilt als Gewürzinsel, und hier gedeihen nicht nur Muskat, sondern auch Lorbeer, Zimt, Nelken, Ingwer, Vanille, Kurkuma, Safran, Kakao und Pfeffer.
Der Nationalparkbesuch beschränkt sich auf den Gang von etwa 100 Metern zum Museum, einem Einraumhaus mit ein paar verblichenen Bildern. Davor spielen 2 Rastamänner müde auf Blechinstrumenten. Neben dem Haus hat man einen Blick auf den halben Kratersee, kann das WC aufsuchen, danach gilt es die Budenbesitzer abwehren, bis der Bus zum Abfahren bereit ist.

Einlasskontrolle

das kleine Museum auf dem Hügel
Hoffnung auf ein paar Einnahmen
dieser Shop hat es schon in ein feste Holzhaus geschafft
es sind zu viele Frauen vor Ort, die etwas verkaufen wollen
im Museum
hinter den Häusern warten die Busse
ein kurzer Blick auf den Kratersee
unglaubliches Grün
hier möchte ich bleiben

 Unsere Reiseleiterin hat uns ebenfalls ein Kaufangebot gemacht, angeblich stammen die Tütchen mit den Muskatnüssen von der Nachbarin mit 12 Kindern. Beim Auspacken auf dem Schiff stellt sich heraus, dass die Hälfte meiner Muskatblüten schon verschimmelt ist. Von den 15 Nüssen sind 7 taub. Also so ganz ehrlich waren die 5$ wohl nicht verdient, ich glaube auch, dass sie das Zeugs doch selbst zusammengepackt hat. Die Muskatnusspackungen der Strassenverkäuferinnen sollen einwandfrei gewesen sein und billiger.

Leider waren Gewürzplantagen auf unserem Ausflug nicht vorgesehen und auch die vielen alten Herrenhäuser blieben hinter Bäumen verborgen.
Der Ausflug  hat mir trotzdem gut gefallen, war sehr interessant, vor allem durch die Infos der Reiseleiterin, einer Deutschen, die mit einem Engländer verheiratet ist und seit Jahren hier lebt. Sie kann uns natürlich auch ein paar Geschichten erzählen.

2004 hat ein Hurrikan knapp 90% der Insel zerstört. Bevor man an den Aufbau der wichtigsten Gebäude ging, habe sich der damalige Regierungschef von den befreundeten Taiwanesen als Spende den Wiederaufbau des zerstörten Stadions erbeten. Die Taiwanesen seien bereit gewesen, alles mögliche aufzubauen, nur kein unsinniges Stadion. Die Freundschaft der beiden Länder sei daran zerbrochen. Stattdessen habe die Volksrepublik China begeistert die Lücke gefüllt und das Stadion gebaut. Bei der Eröffnungsfeier sei dann feierlich die Nationalhymne von Taiwan gespielt worden. Seitdem sei leider auch die Freundschaft mit den Chinesen erledigt.

Frauen hätten hier sehr viele Kinder. 7-12 seien keine Besonderheit. Sie dienen vorwiegend der Altersvorsorge. 80% der Frauen seien alleinerziehend mit diversen „besuchenden Vätern“, wie es hier heißt. Gelegentlich komme der Vater auf Besuch, bringe dann Essen mit und verbringe ein paar nette Stündchen. Dann ziehe er wieder von dannen. Angeblich seien alle Seiten damit zufrieden.

Seit 1836 wird die Muskatnuss auf Grenada angebaut. Früher nur die indonesische Sorte. Da diese aber 17 Jahre braucht, um Früchte zu tragen, ist man nach dem Hurrikan 2004 auf malaysische Muskatnuss umgestiegen, deren Bäume weniger hoch wachsen, dafür aber nach 5-7 Jahren schon Früchte tragen.

Pünktlich zur Ankunft am Schiff gibt es mal wieder einen kräftigen Regenschauer.

Nach einer kurzer Mittagspause habe ich mich noch einmal aufgerafft und bin in die Stadt gegangen.Die Wege sind ziemlich anstrengend, da die Stadt - St. George’s - am Hang liegt. Selbst bei Einlegen der langsamsten Gangart rinnt mir der Schweiß in Strömen.







Es gibt eine große Mall bei modernen Kreuzfahrtterminal direkt in der Stadt, an dem wir natürlich nicht liegen. Dort verkaufen sie nur dummes Zeug zu völlig überhöhten Preisen.
Will man von unserem Ankerplatz aus in die Stadt, muss man um die ganze Bucht herumlaufen, über den Berg oder durch einen Tunnel gehen.
Ich schleiche bergauf und werde mit einem tollen Ausblick aus dem Kirchenfenster belohnt.





 Ständig steht man vor einer steilen Strasse, bergauf oder bergab. Kirchen gibt es mehr als genug, meistens sind sie gepflegter als die Häuser. Ausnahmen gibt es natürlich und fromme Sprüche auch.













Der Markt soll sehenswert sein. Als ich eintreffe, sind nur noch ein paar Buden mit Souvenirs da. Das ist nicht ganz so aufregend.




Weiter geht es zum Terminal. Dann habe ich die Wahl. Bergsteigen oder Tunnel? Heute entscheide ich mich für den Berg, da mir das Licht am späten Nachmittag gut gefällt. Das große Kreuzfahrtschiff sieht von oben eher aus wie ein Spielzeugboot.





 Zum alten Fort George von 1705 mag ich nicht mehr hochkraxeln. Es ist sicher schön, aber es reicht für heute. Museen, schöne Strände, all das und noch viel mehr, was die Insel zu bieten hat, bekomme ich ja auch nicht zu sehen. Ich glaube, ich brauche ein Schiff für mich alleine, das in jedem Hafen wartet, bis ich sage: jetzt habe ich genug gesehen, es kann weiter gehen. 


Auf dem Rückweg entdecke ich ein wohl weltbekanntes Kakaomuseum, das „House of Chocolate“, in dem man diverse Kakaoprodukte und lecker aussehende Kuchen verzehren kann. Ich habe mir einen speziellen Kakao bestellt. Der wird in einem kleinen Emaillebecherchen serviert, daneben ein Becherchen mit braunem Zucker. Die Kakaomasse ist warm, dickflüssig, ganz leicht bitter. Ungewöhnlich, aber irgendwie köstlich.
Und: Hier gibt es ein Super- Wifi!








Jetzt nur noch einmal bergab, dann bin ich wieder am Hafen und muss nur noch die Bucht umrunden. Auf dieser Hafenseite gibt es eine Menge alter Handels- und Lagerhäuser, die aufwendig restauriert worden sind.





Diese Häuser haben auch schon bessere Zeiten erlebt.









ein bisschen Geschichte:


1498 Christoph Kolumbus  fuhr nur vorbei an der Insel und gab ihr den Namen Concepción. Wahrscheinlich haben spanische Seefahrer sie dann, weil sie sich an ihre Heimat Andalusien mit Grenada erinnert glaubten, in Grenada umbenannt. Gesiedelt haben die Spanier auf Grenada nicht.
Hier lebten zu dieser Zeit kriegerische Kariben, die ließen sich nicht von den Engländern unterjochen, die meinten, sie könnten sich das Terrain aneignen. 1609 zogen sie sich frustriert zurück.
1649 verkauften dann aber einheimische Häuptlinge die Insel dann an französische Händler. 
Zum Dank unterwarfen diese die Einheimischen danach militärisch und rotteten sie fast vollständig aus. 
Die Insel wurde in La Grenade umbenannt, das spätere St. George`s als Fort Royal gegründet. Die Stadt entwickelte sich zum wichtigsten Flottenstützpunkt der Franzosen in der Karibik.
1762 waren die Engländer einmal wieder erfolgreich im Siebenjährigen Krieg unterwegs, und ein Jahr später wurde die Insel offiziell beim Pariser Frieden an die Engländer abgetreten.
Während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges versuchten die Franzosen noch einmal ihr Glück,  durften aber in einem erneuten Frieden von Paris 1793 wieder einmal den Engländern das Feld überlassen, und die Insel durfte sich sicher überglücklich schätzen, zum Britischen Weltreich zu gehören und 1877 zu den Kronkolonien zu zählen.
Da frage ich mich doch einmal wieder, was diese sogenannten Frieden von XY bedeuten. Eigentlich verschachern hier nur die reichen Länder im eigenen Interesse Länder mit ihren Menschen und Ressourcen  ohne Rücksicht auf Verluste. Schamloses Vorgehen, das ja nicht nur in früheren Jahrhunderten üblich war. Aus der Distanz kann man die unendliche Schweinerei aber besser erkennen.
Der politische Weg des Inselstaates war turbulent, mal Anlehnung an die USA, mal an Kuba  und die Sowjetunion, dann wieder Hilferuf an England. Politiker taten sich auch nicht unbedingt rühmlich hervor. 1983 völkerrechtlich umstrittene US- Invasion.
Was nicht die politischen Wirren zerstörten, taten dann die verschiedenen verheerenden Hurrikans.

Heute gehört es zum Commonwealth of Nations und Königin Elisabeth II ist Staatsoberhaupt.
Ein stehendes Heer gibt es nicht, interessanterweise obliegt den USA seit 1983 die Verteidigung des Landes.





Gewürzplantagen sind ein Muss! im Norden der Insel.
Schöne alte Kolonialhäuser


Grand Anse Beach südlich von ST George`s einer der schönsten Strände der Karibik. Wassertaxi schnell und bequem. 10 $ Hin- und Rückfahrt
Taxi Stunde 25$

Südspitze : Schnorcheln beim Magazine Beach vom Strand aus, beim Aquarium Restaurant & Beach Club oder beim Hotel Rex Grenadian.

Gewürzinsel, die südlichste über dem Winde. hier gedeihen mehr Gewürze als irgendwo auf der Welt.
Zimt Lorbeer Nelken und vor allem Muskat, Gerüche!!!

Das natürliche Hafenbecken, die Carenage, sehenswerter innerer Hafen mit Lagerhallen aus dem 18.Jh im typischen georgianischen und viktorianischen Stil.
Beste Aussicht vom Lions Community Center oder Fort Frederick . 2. Fort: Fort Royal
täglich Markt auf dem grossen Platz der Stadt

hufeisenförmige Hafenbucht, Hanglage rund um die Bucht,  britisch/ französisch geprägt durch Kolonialzeit-

1600 Gründung Fort Royal durch die Franzosen
Später Holländer Franzosen Engländer
Engländer offenbar am erfolgreichsten im Kolonialisieren und ab 1707   gehörte es zu England.
1783 offiziell zum    Frieden von Paris.... endgültig britisch.
1771 und 1775 zerstörten Großbrände alle Holzhäuser. Fortan durften die Sklaven weiterhin in Holzhütten leben, die feineren Herrschaften sollten Stein- oder Ziegelhäuser bauen, zumindest entlang der Hauptstrassen..
Der Hurrikan Ivan zerstörte 2004 95%
gebirgige Insel 840m hoch

Stadtteil Esplanade, Kreuzfahrtanleger St. George`s
Häuser aus Lava oder Ziegel, bunt, Gegensatz zum Grün der Natur, ca 2 Std für Stadtrundgang

eine der schönsten Städte der Karibik.
Steile Cross Street, dann Gore Street, Aussichtspunkt zum Hafen, anglikanische Kirche von 1825


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

anders, aber auch nicht schlecht

Februar 2018   -   eine Woche später                         Auch Hannover hat seine Reize!